Universität bezieht klare Position
Externe Gutachterkommission geht Doping-Vorwürfen nach
Doping-Skandal an der Universität Freiburg. Wie steht die Universitätsleitung zu den Vorwürfen und welche Konsequenzen zieht sie? Jetzt werden die letzten 20 Jahre der Freiburger Sportmedizin auf den Prüfstand gestellt - eine externe Aufklärungs-Kommission hat ihre Arbeit bereits aufgenommen.
Von Karolin Schmidt, studiert Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft und Skandinavistik
Der Doping-Skandal, in den das Universitätsklinikum involviert ist, hat sicher auch Auswirkungen auf das positive Image der Universität. Auslöser war ein "Spiegel"-Bericht vom 30. April, der die Lawine ins Rollen brachte: Die Freiburger Sportmediziner Andreas Schmid und Lothar Heinrich wurden der Doping-Mithilfe im Radsport bezichtigt. Schon am gleichen Tag reagierte die Universität und kündigte die Einrichtung einer externen Untersuchungskommission an. Nach weiteren Vorwürfen durch den ehemaligen Radprofi Bert Dietz suspendierten der Rektor, Prof. Dr. Wolfgang Jäger, der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Christoph Peters sowie der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Prof. Dr. Matthias Brandis, die beiden Ärzte vom Dienst. Nach einer Reihe von Bekenntnissen diverser Radsportler, die die Einnahme verbotener Mittel gestanden, haben auch die beiden Ärzte des Universitätsklinikums ein Geständnis abgelegt, in dem sie bekannten, aktiv am Doping beteiligt gewesen zu sein. Die Universität und das Universitätsklinikum, die bereits eindeutig feststellten, dass jede Form von Doping kriminell ist, kündigten sofort beiden Medizinern fristlos.
Sportmedizin auf dem Prüfstand
Die Leitung der Universität und des Klinikums sehen in diesem Geständnis einen wichtigen Schritt zur Aufklärung, halten diesen jedoch nicht für ausreichend. Deshalb wurde die mittlerweile eingesetzte, unabhängige Untersuchungskommission, die aus externen Fachleuten besteht, gebeten, die beiden Mediziner unverzüglich vorzuladen. Darüber hinaus nimmt die Universität das Eingeständnis zum Anlass, die letzten 20 Jahre der Freiburger Sportmedizin auf den Prüfstand zu stellen. Die Universität wird daher eine weitere Kommission einsetzen und hat den Wissenschaftsrat als unabhängige Institution gebeten, externe Gutachter für die Evaluierungskommission zu benennen. Außerdem bekundet die Universitätsleitung großes Interesse, dass auch die Telekom allen gegen sie gerichteten Vorwürfen nachgeht. Solange die Anschuldigungen gegenüber dem Radsportteam und seinem Umfeld nicht geklärt sind, existiert zwischen der Universitätsklinik und der Telekom keine Basis für eine vertrauensvolle, weitere Zusammenarbeit. Aus diesem Grund wurden auch die drei bis jetzt noch tätigen Freiburger Ärzte mit sofortiger Wirkung aus dem Telekom-Team zurückgezogen. Auch ein weiterer Mediziner, der gestanden hatte, Amateursportlern in den 80er Jahren Testosteron verabreicht zu haben, wurde inzwischen umgehend suspendiert.
Ärztliche Betreuung ausgesetzt
Eine weitere klare Entscheidung: Das Klinikum hat die ärztliche Betreuung aller Hochleistungssportler bis zur Klärung der Vorwürfe durch die Untersuchungskommission ausgesetzt.
Mit diesen einschneidenden Maßnahmen erhofft sich die Universität das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Universitätsklinikum zu erhalten.
