Nur radlos, nicht ratlos
Die Gefahren lauern jetzt überall. In der früh hereinbrechenden Dunkelheit tummeln sich Diebe, das Salz auf den Straßen zerfrisst die Kette, beim Sturz auf Glatteis verbiegt sich der Lenker. Und schon steht man im Fahrrad-Freiburg ohne Fahrrad da. Nun hilft der u-asta. Er verleiht Räder an Radlose.
Von Doreen Fiedler, Linguistik und Neuere und Neueste Geschichte
„Viele fanden es auch gut, dass sie endlich ihre alten Fahrräder losgeworden sind.“ Zufrieden blickt Allison O'Reilly entlang der sorgsam aufgehängten Räder im Innenhof der Belfortstraße 24. Etwa zwanzig Leihfahrräder kamen nach dem Spendenaufruf des unabhängigen Studierenden-Ausschusses, des u-asta, zusammen, längst nicht alle sind gerade da. Selbst in der Handschuh-Mütze-Jahreszeit treten Freiburger Studenten in Leihpedale.
Fahrtenbücher für Fahrräder
Jedes Fahrrad besitzt ein eigenes Fahrtenbuch, in dem Reparaturen und kleine Schönheitsfehler vermerkt werden. Damit die vier Betreuer genau wissen, was ihren drahtigen Gefährten fehlt, nehmen sie jeweils eine Woche lang selbst eines der Leihräder mit. Nur das süße blaue mit den weißen Blümchen dürfen sie selbst kaum fahren, das ist der Liebling aller Frauen.
Es sind die Wochenendbesucher, die Fernbeziehungsführer, aber auch die „Ich-habe-keine-Zeit-zum-Reparieren“-Klager, die sich gegen eine Selbstkostengebühr für ein paar Tage oder Wochen auf ein fremdes Zweirad schwingen.
Mittwoch ist Reparatur-Tag
Vielleicht bringen sie bei der Rückgabe gleich ihr kaputtes Rad mit. Denn jeden Mittwoch ist Reparatur-Tag unter dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe. „Spezialwerkzeug haben wir noch nicht“, erzählt Simon Amrein. „Aber wir kriegen fast alles hin." Ersatzteile vom gebrauchten Schlauch bis zur Sattelstütze stehen den Zweiradbastlern zur Verfügung. "Und wenn's bei uns was gibt, dann gibt’s das auch umsonst.“
Dabei hilft das Heer an Ersatzteilrädern, das die ganze Rückmauer des Hofes verstellt und in dem ausgediente Fahrräder in verschiedenen Zerlegungsstadien darauf warten, verbaut zu werden. Dazu beigetragen haben jede Menge Studierende, die alles anschleppten, was seit Jahren in WG-Kellern und Innenhöfen unbenutzt herumstand. Auch hat sich in Gundelfingen gerade eine Studentenwerkstatt aufgelöst, die genau das besaß, was der u-asta brauchte.
Nicht professionell, aber individuell
Der mit Rad ratsuchende Student bekommt, bevor die gemeinsame Schrauberei losgeht, möglicherweise erst einmal eine Tasse mit Glühwein in die Hand gedrückt. Im Sommer wurde sogar stundenlang zusammen gegrillt. Die Handwerker (in gegenseitiger Eigenausbildung) sind gut gelaunt - auch wenn immer wieder Sätze erschallen wie „Deine Schrauben sind schlecht, die Kabelspannung ist falsch.“ Kein Problem, wird eben das Kabel neu eingestellt und die Schrauben ausgetauscht. Der nächste Klient hat „hier richtig Dreckpaste“ auf der Kette und erhält die Ermahnung: „Wenn du dich da nicht drum kümmerst, ist das halt gleich kaputt.“
Nach dem erfolgreichen Austausch der Glühbirnen oder einem ausgiebigen Kettenputz werden die Räder aus dem heimeligen Reparatur-Fahrradhof wieder hinausgerollt auf das gefahrvolle Pflaster, wo platte Reifen, verrostete Lichtkontakte und klemmende Schaltungen die besten Freunde der Freiburger bedrohen.
u-asta Fahrradverleih & Werkstatt
Wann? Ausleih Mo-Fr von 11 bis 14 Uhr, Werkstatt Mi ab 18 Uhr
Wo? Belfortstraße 24, AStA-Sekretariat
Wer? Alle Studierende, gegen Vorlage des Studentenausweises und 20 Euro Pfand
Wie viel? 1,50 Euro/Tag, 5 Euro/Woche
Kontakt: 0761 - 2032032
E-Mail: info@u-asta.de
www.u-asta.uni-freiburg.de/service/Fahrradverleih/
