Nächster Schritt: Promovieren
Bachelor und Master waren erst der Anfang. Danach kommt die dritte Studienphase. So heißt seit dem Bologna-Prozess die Zeit der Promotion. Und diese Phase soll an der Uni Freiburg mehr Struktur bekommen.
Von Peter Wieczorek, Jura
Es geht um nichts weniger als das Ende des Einzelkampfes. Gerade in den Geisteswissenschaften vertiefen sich Promovierende heute in der Regel in ihr Thema und arbeiten mehr oder weniger allein daran. Das soll sich ändern. Für die meisten Doktorandinnen und Doktoranden soll die Promotion demnächst in Graduiertenschulen mit strukturierten Programmen erfolgen, erklärt Professor Helmut Hoping, der Direktor der Internationalen Graduiertenakademie (IGA) der Uni Freiburg.
Zusammenarbeit zwischen den Fächern
Vier aus Haushaltsmitteln der Uni finanzierte Graduiertenschulen gibt es bereits, daneben die „Spemann Graduate School of Biology and Medicine" der Exzellenzinitiative. Der Name zeigt das interdisziplinäre oder transdisziplinäre Konzept, das hinter den Graduiertenschulen steht: „Dort sollen Doktorandinnen und Doktoranden verschiedener Fächer zusammenarbeiten, etwa Natur- mit Geisteswissenschaftlern“, erläutert Hoping. Es ist vorgesehen, dass alle Vollzeit-Doktorandinnen und Doktoranden mittelfristig an einem strukturierten Promotionsprogramm teilnehmen.
Darum kümmert sich die IGA, das Dach über allen Graduiertenschulen. Sie ist eine Säule des Zukunftskonzepts, mit dem die Uni Freiburg im Exzellenzwettbewerb erfolgreich war.
Die IGA ist zum Beispiel zuständig für die Vergabe von Promotionsstipendien, gibt ihr Votum zu neuen Promotionsordnungen ab, unterstützt die Betreuer der Promovierenden und sieht sich ebenfalls als Interessenvertretung der Doktorandinnen und Doktoranden.
„Wir müssen vor allem auf eine Erhöhung des Promotionsstipendiums des Landes drängen. Es kann nicht sein, dass dieses Stipendium, das derzeit 820 Euro beträgt, ausgeschlagen wird, weil man von einer Stiftung ein deutlich besseres bekommen kann“, sagt Hoping.
Promovieren mit Struktur
Eine der Hauptaufgaben der IGA ist die Organisation des überfachlichen Qualifizierungsangebots für die Mitglieder der Graduate Schools. Wer "strukturiert" promoviert, schreibt nicht nur die Doktorarbeit. Module zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen und 'Soft Skills' kommen dazu, teils für den Arbeitsmarkt, teils einfach, um sich besser zurechtzufinden.
"Gerade in den Naturwissenschaften kommen viele Promovierende aus dem Ausland", sagt Hoping. "Im Labor sprechen sie den ganzen Tag Englisch. Damit kommen sie in Freiburg auch am Feierabend ganz gut durch. Dennoch wächst oft der Wunsch, deutsch zu lernen. Darum bieten wir Deutschkurse an." Auch an einem fachspezifischen Forschungsprogramm nehmen die Promovierenden teil.
Auch ein Student in Phase drei hat also eine Art Stundenplan. Hier setzen die Kritiker an: Die Verschulung und Regulierung, die mit Bachelor und Master Einzug gehalten habe, weite sich jetzt auf die Promotion aus. Diese Einwände kennt Professor Hoping. Und so betont er, dass das Studienprogramm flexibel sein müsse. Es dürfe nicht zu einer Überregulierung kommen. „Mehr als durchschnittlich einen halben Arbeitstag pro Woche sollte das strukturierte Programm nicht in Anspruch nehmen. Schließlich soll die Promotion nach drei, maximal vier Jahren abgeschlossen sein.“
Weitere Informationen unter www.iga.uni-freiburg.de
