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Eine win-win-Situation

Geräumige Wohnung, gute Lage, bezahlbar. Eine ganz normale WG. Oder etwa nicht? Markus und Kai sind Bewohner der ersten integrativen WG des Studentenwerks und der Lebenshilfe Freiburg e.V. Ein Angebot für Menschen mit und ohne Assistenzbedarf.


Wibke Hartleb, Chemie, hat die Zweier-WG besucht (Text und Fotos)


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Leben seit Mitte März in der  integrativen WG zusammen: Kai und Markus (links).

Viertel vor sieben abends in Herdern. Der Eingangsbereich des Hauses, das zum benachbarten Blindenwohnheim gehört, ist hell erleuchtet. Geradeaus der Aufzug, links das weiß geflieste Treppenhaus. Im dritten Stock öffnet ein sportlich gekleideter, junger Mann mit schwarzen gelockten Haaren die Tür. „Hallo. Markus kommt auch gleich“, sagt er.

Das ist Kai. Er studiert im fünften Semester Soziale Arbeit an der Katholischen Fachhochschule. Seit Mitte März wohnt der 29-jährige mit Markus, 28, zusammen, der von Geburt an querschnittsgelähmt ist.

Die beiden sind die Bewohner der ersten integrativen Wohngemeinschaft, die im Rahmen des neuen Projekts „Gemeinsam Wohnen – integrative Wohngemeinschaften (IWG) – Ein Angebot für Menschen mit und ohne Assistenzbedarf“ entstanden ist. Das Projekt des Studentenwerks und der Lebenshilfe Freiburg e.V. ergänzt das Projekt „Wohnen für Hilfe“.


Günstiger Wohnen


Der Eingangsbereich ist geräumig und hell. Es riecht dezent nach einer Mischung aus Putzmitteln und Raumerfrischer. Eine Tür geht auf. Ein junger Mann im Rollstuhl kämmt seine schwarzen Haare zur Seite und kommt in die Küche. Fragend schaut er zu Kai und deutet auf seinen Seitenscheitel. „Es wäre die andere Seite gewesen“, sagt Kai lächelnd zu Markus.

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Haben Spaß, aber auch die Privatsphäre ist wichtig.

Kai hilft Markus beim Einkaufen, bei Behördengängen oder holt Rezepte. „Beim Zusammenwohnen muss man keine pflegerische Hilfe leisten“, erklärt Eva Armbruster von der Lebenshilfe Freiburg e.V., die das Projekt zusammen mit Nicole Krauße vom Studentenwerk entwickelt hat. Für die Studierenden lohnt sich eine integrative WG nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch finanziell. „Die Vergütung beträgt zehn Euro Mietnachlass pro Stunde Hilfe.“ Kai leistet im Durchschnitt 19 Stunden Hilfe pro Monat.


Müll runter bringen, einkaufen, putzen


„Ich gehe morgens früher aus dem Haus als Kai, typisch Student eben", grinst Markus. „Ich arbeite bis etwa 16 Uhr in der Caritas-Werkstatt in Haslach. Dort ist ein Kollege mittlerweile zu einem Freund geworden und wenn ich mich verquatsche, komme ich eben erst später nach Hause.“ Außerdem spielt Markus noch Basketball. Kai ergänzt: „Wie in jeder WG kann man nicht alles zusammen machen.“

Aber an zwei Tagen in der Woche machen sie doch etwas zusammen. Ein Tag ist für den Haushalt reserviert. „Müll runter bringen, einkaufen und putzen eben“, erzählt Kai. „Und einmal in der Woche kochen wir zusammen. Wir einigen uns auf etwas, das uns beiden schmeckt und kaufen gemeinsam ein.“

Betreut werden die beiden von einer Mitarbeiterin der Lebenshilfe, die im Durchschnitt einmal pro Woche kommt, um „nach dem Rechten zu schauen. Sie wäre auch Ansprechpartnerin, wenn wir Probleme miteinander hätten und es kurz vor dem Faustkampf stehen würde“, erklärt Kai und beide lachen.


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Kai unterstützt Markus beim Einkaufen oder bei Behördengängen .

Trotz aller Vertrautheit ist für beide wichtig, dass die Privatsphäre nicht zu kurz kommt. „Ich fahre manchmal übers Wochenende ins Kinzigtal. Wenn ich einen Tag länger bleibe, sage ich Markus allerdings Bescheid. Und mittlerweile macht Markus auch etwas mit anderen oder alleine.“ Wenn Kai in Urlaub ist, kommt ein Zivi, der Markus unterstützt. „Das kann man bei der Lebenshilfe organisieren und dann geht das auch“, sind sich beide einig.


Privatsphäre ist wichtig


Das Telefon klingelt. Markus meldet sich mit tiefer Stimme. Während er zuhört, deutet er Kai an, dass er etwas zu schreiben braucht. Kai gibt ihm Kugelschreiber und Zettel. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Das war nicht immer so. Als es um die Anfangsschwierigkeiten geht, lachen beide. „Es trafen zwei unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Markus war gewohnt, nie etwas alleine zu machen und ich war gewohnt, das zu machen, was ich wollte. Außerdem kann man Seminare nicht dahin legen, wo sie einem gefallen. Das musste Markus erst lernen“, erklärt Kai.

Markus hatte Angst, alleine in der für ihn neuen Stadt wegzugehen „Ich kannte mich nicht aus und wusste nicht, ob ich dann jemals nach Hause finden würde.“ Vorher hat Markus im Seniorenheim Bad Krozingen gewohnt. „Das war nichts für mich. Ich wollte in eine WG nach Freiburg ziehen und habe über die Lebenshilfe einen Mitbewohner gesucht“, erinnert er sich. Kai kommt ursprünglich aus dem Kinzigtal und hatte bereits WG-Erfahrung. Er hat in Freiburg „eine günstige Wohnung gesucht und dann beim Studentenwerk das Angebot gefunden.“

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Markus wollte in eine WG ziehen - bis März 2008 wohnte er im Seniorenheim in Bad Krozingen.

Das erste Treffen der beiden arrangierte Eva Armbruster. „Wir haben uns im Vorderhaus getroffen, um zu merken, ob wir zusammen passen und das lief gut“, erzählt Kai.


Wohnung gesucht

Kai und Markus würden jederzeit wieder in eine integrative WG ziehen, „aber es kommt auf die Leute an“, sind sie sich einig. Kai ergänzt: „Wir haben eine „win-win-Situation. Mir ging es vor allem um die finanzielle Seite und Markus bekommt die Hilfe, die er braucht.“ Diese Wohnung hätten sich beide alleine nicht leisten können.

Obwohl die Nachfrage nach integrativen WGs sehr groß ist, sind die beiden bisher die einzige. „Wir haben viele Interessenten und haben auch schon fünf Leute zusammengestellt, aber bisher haben wir noch keine Wohnung gefunden. Es ist sehr schwierig, eine Wohnung für die IWGs zu finden“, erklärt Armbruster „es liegt oft an den Vermietern oder Maklern, die immer noch Vorurteile haben.“


Interesse?


Wer sich für das Wohnen in einer integrativen WG interessiert, kann beim Studentenwerk einen Bewerberbogen ausfüllen. Menschen mit Behinderung füllen einen Bewerberbogen bei der Lebenshilfe aus und „wir schauen dann, wer zusammen passen könnte und organisieren ein erstes Treffen“, erklärt Armbruster.


Weitere Informationen zu diesem Projekt und die Ansprechpartner findet Ihr unter: „Wohnen für Hilfe“ des Studentenwerks.





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