Paula-Rombach-Preis für zwei einmalig gute Einakter
Wie würdet Ihr Eurer Oma eine richtig große Ehre erweisen? Ein Gedicht zum 80. Geburtstag? Eine Anzeige in der Zeitung? Oder vielleicht einen Literaturpreis stiften? Genau das hat sich Verleger Andreas Hodeige für seine Großmutter einfallen lassen. Seit 2006 wird jetzt alle zwei Jahre der Paula-Rombach-Preis ausgeschrieben. Und zwar für Studierende, Alumni und Bedienstete der Uni Freiburg. 2008 haben gleich vier Autoren gewonnen – und alle verdanken das nur einem einzigen Akt.
Von Verena Schwald, Politik, Englisch
Paula Rombach: Gründerin des Rombach Verlags
Foto: Ingo Schneider
Mit dem Paula-Rombach-Preis soll Literatur in Freiburg, genauer gesagt an der Uni, gefördert werden. Paula Rombach hat nach dem Krieg Besonderes geleistet: Weil sie keine nationalsozialistische Vergangenheit hatte, bekamen sie und ihr Mann Heinrich von den französischen Besatzern die Lizenz eine Tageszeitung in Freiburg herauszugeben. Das waren die Anfänge der Badischen Zeitung. Auch den Rombach-Verlag hat das Ehepaar gegründet.
Die besten Einakter
2007 war der Preis für Einakter ausgeschrieben, also Bühnenstücke, die nur aus einem Akt bestehen. 30 Autoren haben mitgemacht, hauptsächlich Alumni. „Das ist relativ viel, wenn man bedenkt, wie anspruchsvoll es ist, einen Einakter zu schreiben“, sagt Professor Günter Schnitzler. Er muss es wissen, schließlich lehrt er an der Uni Germanistik. Beim Einakter müsse nicht nur Inhalt, sondern auch Regieanweisungen bedacht werden – schließlich soll er für eine Bühne gemacht sein.
Damit nicht genug der Schwierigkeit – die Texte mussten sich gleich zwei Jurys stellen: Einer Experten-Jury um Preisstifter Andreas Hodeige und die Germanistik-Professoren Günter Schnitzler und Achim Aurnhammer. Und dazu noch einer „Nachwuchsexperten“-Jury aus Germanistik-Studierende und Doktoranden. Erst mal wählten beide unabhängig voneinander die besten Stücke aus. Kurz vor der Entscheidung kamen die Studierenden-Jury und ein Teil der Experten-Jury dann zu einem „Literatur-Gipfel“ – einem Wochenende auf dem Schauinsland – zusammen. Die „Nachwuchsexperten“ seien sehr fair, aber auch sehr kritisch gewesen, so Schnitzler. Er ist stolz auf die Kompetenz der Freiburger Studierenden. „Die sind einfach spitze“, sagt er.
Bei der Preisverleihung: Monika Koncz, Björn Steiert, Rektor Jäger, Susanne Franz, Martin Ruf, Stifter Andreas Hodeige (Stifter)
Bild: Buhl
Am Ende gab’s viel Übereinstimmung, was die Siegertexte anging. Zwei waren so gut, dass sie sich den ersten Platz teilen: Björn Steierts szenischer Monolog „Heros“ und das Stück „Has tot“ von Martin Ruf. Den zweiten Platz teilen sich Susanne Franz und Monika Koncz.
Sieger Björn Steiert beschreibt in „Heros“, was im Mörder von John Lennon vorgeht – und zwar in den letzten Stunden vor der Tat. Alles basiert auf bekannten Tatsachen, mit denen sich der Lörracher Autor schon lange beschäftigt hat. „Der Mörder besitzt viele unterschiedliche, ja widersprüchliche Facetten. Er erscheint daher wie ein rätselhafter Platzhalter oder eine Spiegelfläche für alle möglichen Projektionen“, sagt er.
Über den Preis freut sich der Alumnus und ehemalige Student von Prof. Schnitzler riesig. „Ich sehe das als Bestätigung, meinen Weg weiter zu verfolgen. Schreiben ist wirklich mehr als ein Hobby für mich“, erklärt Björn Steiert, der auch schon andere Literaturpreise gewonnen hat. Das Preisgeld sei ein „willkommener Nebeneffekt“. Viel mehr freue er sich über die Auszeichnung an sich und die Veröffentlichung der Siegertexte in der Literaturzeitschrift „Allmende“. Auch eine Aufführung am Freiburger Theater steht noch im Raum.
Günter Schnitzler freut sich, dass sich der Paula-Rombach-Preis etabliert hat. „Wenn die Künste an der Uni zu Wort kommen, wird kalter Akademismus verhindert.“
Wer sich für die Sieger-Texte interessiert kann sich bei Professor Schnitzler melden. E-Mail: guenter.schnitzler@germanistik.uni-freiburg.de
