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„Ich bin immer noch lernbereit“

Die Exzellenzinitiative, Studiengebühren und unterschiedliche Protestwellen in zwölf Jahren Amtszeit sind nur einige Aspekte des „Uni-Managers“ Jäger, die sein Rektorat geformt haben. Ab dem 1. April 2008 reicht er das Zepter an seinen Nachfolger Professor Dr. Andreas Voßkuhle weiter. Kurz vor knapp noch einige Fragen und Antworten.


Von Rimma Gerenstein, Germanistik/Anglistik/Geschichte und Karolin Schmidt, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft und Skandinavistik


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Rektor Jäger ist noch bis 31. März 2008 im Amt. Danach möchte er wieder wissenschaftlich arbeiten

Foto: Kunz

Angenommen es gäbe das Hauptseminar „Die Rektoren der Universität Freiburg“. Was würden die Studierenden über Ihre Amtszeit lernen?

Jäger: So ein Seminar würde viele interessante Aspekte bieten: Zuerst wäre es wichtig zu klären, was eine Universität überhaupt ist. Und daraus würde sich ergeben, welche Aufgaben und Funktionen ein Rektor erfüllen muss.

Ich habe immer auf Führung und Konsens gesetzt. Es ist wichtig, dass alle Mitglieder der Universität an einem Strang ziehen – so lassen sich die Ziele zum Beispiel im Wissenschafts- und Finanzministerium besser durchsetzen. Außerdem muss ein Rektor Stadt und Region für die Universität gewinnen, damit sich die Bürgerinnen und Bürger für ihre Universität engagieren.


Was war die größte Herausforderung während Ihrer Amtszeit?

Es gab viele große Herausforderungen. Am schwierigsten waren zweifellos die Durchsetzung des Umzugs des Rektorats an den Fahnenbergplatz, 1997 der Aufbau der Mikrosystemtechnik, als in Stuttgart viele wegen der öffentlichen Finanzkrise den Weiterbau der neuen Fakultät einstellen wollten, und natürlich die Exzellenzinitiative. Im Wettbewerb mit allen deutschen Universitäten zu stehen und zur Spitze zu gehören, ist ja nun nicht einfach. Es war die Aufgabe des Rektorats ein Zukunftskonzept für die Universität zu gestalten, wozu die Unterstützung der gesamten Universität nötig war.


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War zwölf Jahre Rektor der Albert-Ludwigs-Universität: Professor Dr. Wolfgang Jäger

Foto: Kunz


Es gab ja auch Zeiten, wo die Studierenden und das Rektorat stark aneinander geraten sind. Zum Beispiel der Boykott gegen die Studiengebühren von 2005. Hatten Sie für das Verhalten der Studierenden Verständnis?

Ich kann verstehen, dass man gegen die Studiengebühren protestierte, auch wenn ich nie einen Hehl daraus gemacht habe, dass sie notwendig sind. Gleichzeitig setzte ich mich aber auch für Ausnahmeregelungen bei der Gebührenbefreiung ein.  Ich machte schon mehrere Protestwellen mit. Wenn ich daran zurückdenke, gab es sie ungefähr alle sieben Jahre. Das gehört irgendwie zur Universität dazu. Aber es hätte alles schlimmer kommen können.

Die Studierenden benahmen sich im Großen und Ganzen gut und putzten nach ihrem Abzug sogar das Rektoratsgebäude. Wofür ich allerdings kein Verständnis hatte, ist, dass einzelne über die Stränge schlugen und mich zum Feind im Kampf gegen die Studiengebühren erklärten.

Der Konflikt wurde sozusagen personalisiert: Im Internet kursierten Drohungen und Aussagen über mich, an die ich nur mit Grauen zurückdenke. Symbolisch dafür war der schwarze Sarg mit meinem Namen am Sockel des Holbein-Pferdchens. Trotzdem habe ich das Rektorat nicht räumen lassen – auch im Nachhinein die richtige Entscheidung.

 

Haben Sie den Eindruck, dass das Verhältnis zwischen Studierenden und dem Rektorat dadurch überschattet wurde?

Nein, ich weiß aus vielen Gesprächen, dass die Studierenden die Leistungen meines Rektorats würdigen.


Um noch mal auf die Exzellenz-Initiative zurück zu kommen: Selbstverständlich konkurrieren alle Unis um die besten Köpfe. Warum muss die Uni Freiburg Stipendiaten mit finanziellen Vorteilen locken (Anmerkung der Red.: Stipendiaten der Begabtenförderungswerke mussten bis zum letzten Semester keine Studiengebühren bezahlen). Sind eine optimale Forschung und Lehre denn nicht Anreiz genug?

Natürlich haben Sie Recht, die Attraktivität der Universität ist eine Grundvoraussetzung. Aber wir befinden uns im Wettbewerb mit den exzellenten Universitäten und ich sehe es schon als Vorteil an, wenn wir den besten Studierenden noch einen zusätzlichen Anreiz bieten. Das Verwaltungsgericht Freiburg verpflichtet uns nun allerdings, neue Kriterien für Hochbegabte zu entwickeln. Bis zur Klärung durch das Verwaltungsgericht Mannheim setzen wir die Befreiung der Hochbegabten durch die Studiengebühren aus. Auf die IQ-Regelung jedoch werden wir in jedem Falle verzichten. Die öffentliche Diskussion zeigte, dass dieses Kriterium nicht sinnvoll ist. Sie sehen, ich bin immer noch lernbereit.


Schafft solch ein elitäres Konzept der Begabtenförderung nicht Studierende „erster“ und „zweiter Klasse“?

Stimmt, das hat schon einen gewissen elitären Anstrich – aber im Sinne einer funktionalen Elite und nicht einer normativen. Das heißt, dass jeder die Chance hat, durch die eigene Leistung zu den Besten zu gehören.


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Glaubte an den Erfolg der Albert-Ludwigs-Universität im Rennen um die Exzellenz

Foto: Kunz

Professor Jäger, vervollständigen Sie zum Schluss bitte folgende Sätze:


Wenn die Universität Freiburg nicht Elite-Uni geworden wäre…

dann wär’ ich sehr enttäuscht gewesen - ich glaubte aber immer an den Erfolg.

 
Meine Pläne ab dem 1. April 2008 sind…

wieder wissenschaftlich zu arbeiten.


Meine größten Schwächen sind…

meine Ungeduld und meine Emotionalität – aber sie sind auch gleichzeitig meine Stärken.





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