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Was macht eigentlich... der Hochschulpfarrer?

Der Mensa-Koch sorgt für unseren Magen, die gelehrten Professoren für unseren Geist. Doch wer kümmert sich eigentlich um unsere Seele? Kaum ein Student kennt Dr. Joachim Koffler – dabei sind wir alle seine Gemeinde. Ein Tag im Leben des Uni-Pfarrers, bei dem keine alten Weiblein, sondern Menschen um die zwanzig auf den Bänken sitzen.


Doreen Fiedler, Linguistik, Neuere und Neueste Geschichte, Historische Anthropologie, (Text und Fotos) hat Joachim Koffler einen Tag lang begleitet


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8.51 Uhr, der Tag beginnt: Seelsorgegespräche brauchen viel Zeit und Ruhe. Bei Arbeitsbeginn allerdings ist davon nichts zu spüren in der Katholischen Hochschulgemeinde in der Lorettostraße. Joachim Koffler kommt um die Ecke geflitzt und stürzt sich ins Gebäude. Der Pfarrer sucht nach dem Zivi, doch der ist gerade unterwegs, Ameisen vernichten in einem Aufenthaltsraum. Also schaut er kurz bei der Sekretärin vorbei, schmeißt seine Sachen ins Büro, führt schnell ein paar Telefonate und steigt dann in den Keller, um die selbst gebackenen, tiefgekühlten Hostien aufzutauen. Ein Mann voller Energie – ob’s am Morgengebet liegt, das er täglich um 7 Uhr verrichtet?




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9.17 Uhr, Einkaufstour: Der Zivi ist wieder da, es kann losgehen. Im Auto mit dem Bild des Heiligen Christopherus am Armaturenbrett fahren die beiden tatkräftigen Männer in den Großhandelsmarkt, denn die alten Tassen und Sektgläser „haben Beine bekommen“. Auch einen überdimensionalen Rührbesen und eine Pfanne brauchen sie. Nicht geistige oder geistliche, sondern ganz praktische Fragen beschäftigen den Uni-Pfarrer: Mit Beschichtung oder doch aus Edelstahl? Er steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden: Im Auto baumelt neben dem Patron der Reisenden ein Pinocchio am Rückspiegel. Es sei Tradition, meint der Priester, dass Studentinnen ihm irgendetwas Nettes ins Auto hängen, auch ein Krokodil und ein Haifisch zierten den Wagen schon.



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10.33 Uhr, Büroarbeit: Gestärkt vom allmorgendlichen Kaffee mit den Mitarbeitern - Pastoralreferentin, Sekretärinnen, Zivi, Sozialarbeiterin und Putzfrau – schlägt sich Joachim Koffler mit seinem langsamen Computer und dem nicht funktionierenden E-Mail-Programm herum. Dabei summt er. Die Stimme ist schon geölt, haben sie doch alle gerade im Kanon das Geburtstagsständchen für die Putzfrau gesungen und ihr einen Blumenstrauß geschenkt. Kaffeegesprächsthema war übrigens der Rektorenwechsel. „Herr Vosskuhle und ich, wir haben den gleichen Jahrgang. Aber wenn ich mir vorstelle, Rektor der Uni sein zu müssen, das treibt mir nicht gerade die Freudentränen in die Augen.“






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11.15 Uhr, Seelsorge: Der Uni-Pfarrer begleitet alle christlichen Studenten, wenn sie „auf wichtige Fragen ihres Lebens stoßen“ durch persönliche Gespräche.  Der Doktor der Theologie studierte selbst in Freiburg und Salamanca und wollte danach eigentlich weg von der Uni, mal „mit normalen Menschen zu tun haben“. Doch dann bot sich ihm die Chance, diese ganz besondere Gemeinde zu übernehmen. Hier stellen ihm Theologiestudenten „religiös-intime“ Fragen, andere kommen zur Stärkung des Glaubens oder weil ihr Leben in einer Krise steckt. Manche haben keine andere Wahl als bei ihm Platz zu nehmen, denn er führt die Bewerbungsgespräche für Förderungswerke und redet mit den angehenden Religionslehrern.




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12.35 Uhr, Mittagessen: Die gemütlichen Hausschuhe bleiben im Büro zurück, doch auch die schwarzen Straßenschuhe haben nur kurz Dienst. Joachim Koffler beeilt sich, nach Hause zu kommen, denn einer seiner Mitbewohner hat gekocht. Gleich um die Ecke wohnt er zusammen mit zwei anderen Pfarrern in einer Wiehre-Villa, die der ehemalige Besitzer der Hochschulgemeinde vermacht hat mit der Auflage, dass der Pfarrer darin wohnen darf. In der Männer-Wohngemeinschaft gibt es – ganz studentisch – Spaghetti zum Mittag. Einziger Unterschied: Vor dem Magenfüller kommt das Tischgebet.






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15.00 Uhr, ein Mann für alles: Seit der Hausmeister nur noch eine halbe Stelle hat, ist der Pfarrer selbst sein am härtesten arbeitendes Gemeindemitglied. Er trägt das Klavier in den Musikraum, stellt die Stühle für den Abend zurecht, telefoniert wegen der kaputten Dachrinne und plagt sich mit den Gärtnern herum, die im Innenhof zwar die Bäume beschnitten, aber kein Unkraut gejätet haben. Irgendwann muss er auch noch über seine nächste Sonntagspredigt nachdenken sowie die Vorlesung über Moraltheologie vorbereiten, die er zusätzlich jeden Freitag für Gemeindereferenten hält.




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18.30 Uhr, Gottesdienst: In der Kapelle des Hauses mit ihren eckigen bunten Glasfenstern versammeln sich etwa vierzig Studenten, in zwei Stuhlreihen sitzen sie im Kreis. Sie singen und lauschen den Worten von Joachim Koffler, der sich für die Messe nicht nur ein liturgisches Gewand übergeworfen hat, sondern dessen Stimme auch einen weicheren, fast heiligen Ton annimmt. Hier bekommen die gestressten Lernenden viel Zeit zum Nachdenken und sie bitten leise oder laut für die Menschen in Tibet, in Simbabwe oder für die Neu-Hinzugezogenen nach Freiburg, die sich noch zurechtfinden müssen.






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19.30 Uhr, Abendessen: Die Bibel bleibt allein zurück, doch die Arbeit ist noch nicht beendet. Zusammen mit seinen Lämmchen isst der Uni-Pfarrer gemütlich im Gemeinschaftsraum Kartoffelsuppe, Brot, Käse und Eis, bevor er wieder einmal Hand anlegt beim Abspülen und Abtrocknen. Da es der Eröffnungsabend ist, veranschaulicht eine Präsentation, wer hier wer ist und was er oder sie macht (mehr findet Ihr auf der website der Katholischen Hochschulgemeinde www.khg-freiburg.de). Als Joachim Koffler bei der Nennung seines Namens nicht aufsteht, meint seine Nebensitzerin: „Du solltest dich schon vorstellen, man weiß ja gar nicht, Joachim, dass du Pfarrer bist, wenn du hier so un-höchst hochwürdig rumsitzt.“




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23.01 Uhr, an der Bar: Er redet noch immer und hört aufmerksam zu. Doch hält er nicht mehr wie vor ein paar Stunden Brot und Wein in den Händen, sondern Salzbrezeln und Bier. Man erfährt, dass er mit seiner Gemeinde jeden Sommer auf Reisen geht, nach Irland, Sankt Petersburg, zum Wandern in die Alpen oder auf den Jakobsweg nach Spanien. Und sonst so? Jedes Semester werden die Obdachlosen Freiburgs zu einem Essen mit riesigem Kuchenbuffet eingeladen, ein Sozialfonds kümmert sich um Studenten in Notlagen und im Dezember ziehen studentische Nikoläuse umher und erzählen die Lebensgeschichte des Bischofs. Wir könnten ihn also eigentlich kennen, unseren Pfarrer.






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