Erst prüfen, dann studieren!
Um Abbrecherquoten und schlechte Prüfungsergebnisse einzudämmen, möchte die Uni Freiburg Studierende besonders in der ersten Phase des Studiums besser betreuen. Außerdem sollen in- und ausländische Studierende durch Online-Assessments prüfen können, welches Fach für sie das passende ist.
Von Karolin Schmidt, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft und Skandinavistik
Der sich spiegelnde Student:
Reflexion über die Studienwahl.
„Um die Abbrecherquoten an der Uni Freiburg zu verringern, ist es wichtig, dass man analysiert, warum Studierende ihr Studium abbrechen“, erklärt Dr. Michael Kraus vom Rektorat der Universität. Um die Gründe herauszufinden, nahm Kraus in Kooperation mit den Organisationspsychologen Johann Pixner und Professor Dr. Heinz Schüpbach an der Ausschreibung des DAAD geförderten Projekt „PROFIS“ - dem „Programm zur Förderung der Internationalisierungsstrategien an deutschen Hochschulen“ teil. Hinter diesem bürokratischen Titel steckt ein Projekt, das Studienabbrüchen entgegenwirken soll und die Rahmenbedingungen für ein Auslandsstudium verbessern will.
Freiburg erhielt die Förderung des DAAD und konnte in dem Pilotprojekt so die Fächer „Volkswirtschaftslehre“
und „Informatik“ untersuchen, die beide ein studienbegleitendes Prüfungssystem haben.
Weil schon während des Studiums Prüfungen geschrieben werden, ließ sich für das
Forscherteam herausfinden, ob spätere Studienabbrecher schon am Studienanfang
durch schwächere Studienleistungen auffallen.
Durch diese Analyse soll herausgefunden werden, ob eine gezielte Beratung solcher Studierender helfen kann, die Studienerfolgsquote zu erhöhen.
Falsche Vorstellungen?
Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass
Studienabbrüche in vielen Fällen darauf zurückzuführen sind, dass die
Studierenden sich weder mit der Hochschulwelt noch mit den Inhalten des
Faches identifizieren können. Ein gutes Abitur würde noch lange nicht bedeuten,
dass man zum Medizin- oder Anglistikstudium passend sei, so Kraus und Pixner.
Diese Passung kann sich einerseits auf das Anforderungsprofil der Studiengänge beziehen und andererseits auf finanzielle oder soziale Gesichtspunkte. Natürlich ist der Schaden ein viel größerer, wenn der Studierende erst nach einigen Semestern merkt, dass das Fach nicht seinen Neigungen und Interessen entspricht, als wenn von vornherein klar ist: „Medizin – das ist nicht mein Ding“. Aber wie kann man das feststellen, ohne es auszuprobieren?
Online-Self-Assessment
„Dazu haben wir im Rahmen eines weiteren Projekts das
Online-Self-Assessment entwickelt, das über die Inhalte und Anforderungen der Fächer
informiert“, erklärt Johann Pixner. Bisher gibt es diese für die Fächer
Anglistik, Informatik und Geographie. Aber auch für alle anderen Fächer soll es
bald so genannte Self-Assessments geben, die mit Unterstützung der Stabsstelle
für Qualitätsmanagement der Universität entwickelt werden.
So könne man, bevor man das Studium aufnimmt, prüfen, ob beispielsweise das Fach Geographie tatsächlich dem entspricht, was man sich darunter vorstellt. Speziell für ausländische Studierende gibt es ein weiteres Self Assessment, welches besonders die kulturellen Merkmale Deutschlands berücksichtigt und ein realistisches Bild über die Kosten vor Ort zeichnet. „Das soll Ausländern helfen, sich für ein Studium in Freiburg zu entscheiden und sich gleichzeitig darauf vorzubereiten“, so Pixner und Kraus einstimmig.
Self Assessment für internationale Studieninteressierte: www.international.uni-freiburg.de/
Self Assessments für inländische Studieninteressierte: www.psaw.uni-freiburg.de
