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Sie sind hier: Startseite 2008 Newsletter 5/2008 Pralle Performance

Pralle Performance

Wenn die letzten „Brokkoli-Ecken“ und „Asia-Röllchen“ vom Abendessenbuffet verputzt sind, mutiert die Mensa in der Rempartstraße, genauer gesagt: die MensaBar, regelmäßig zum Veranstaltungsort für Kunst und Kultur. Seit 2007 findet dort unter anderem auch der „Slam Supreme“ statt.


Von Rimma Gerenstein, Germanistik, Anglistik, Geschichte



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Ist die Hausband beim Slam Supreme in der MensaBar: "Matou Noir".

Foto: Slam Supreme

Es ist viel zu heiß für einen Maiabend. Das Hoch „Nancy“ hat seine Hitzestrahlen schon den ganzen Tag über Freiburg geworfen – die Luft brodelt nach 20 Uhr immer noch. Alle, die auf der Suche nach einem Zeitvertreib sind, hat das Wetter nach draußen gelockt.

Genau das ist Johannes Franzens Problem: Etwas angespannt sitzt der Deutschstudent auf einem Stein vor der Mensa Rempartstraße und beäugt kritisch den Himmel: „Bei dem Wetter gehen sie wahrscheinlich alle auf die Sternwaldwiese. Aber zum Glück sieht es ja langsam nach Regen aus“, sagt er mit Blick auf die sich trüb zusammenbrauende Wolkenfront. Wann freut man sich denn bitte an einem der seltenen Vorsommertage über dunkle Gewitterwolken? Höchstens wenn die Natur einem unerwartet Konkurrenz macht.


Zum sechsten Mal organisiert Johannes heute den Slam Supreme – prall bepackt mit Musik, Kabarett, Gesang, lyrischer Prosa und prosahafter Lyrik, mal lauteren, mal leiseren, ironisch-sarkastischen und nicht immer politisch korrekten Tönen.

Während Johannes die Wetterlage weiterhin im Auge behält, tummeln sich schon die ersten Besucher an der Kasse – zunächst nur vereinzelt, dann in kleineren Grüppchen, bis sich die Menschenmenge kurz vor halb neun in einer dichten Schlange vor dem Haupteingang der Kantine auf die Straße drängt.


Kleinkunst ohne Hinterhof-Comedy


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Kabarettist Sebastian Scheuthle in Aktion mit seinem Programm "Satierkreis".

Foto: Slam Supreme

Jeden Monat findet der Slam Supreme auf der Bühne der Mensa-Bar statt; junge, kreative Kunst, die mit einem gewissen Anspruch zu unterhalten versteht. „Niveau“ und „Unterhaltung“ – das sind zwei Begriffspaare, die laut Johannes oftmals gegeneinander ausgespielt werden und als unvereinbar gelten. Eben diesen „vermeintlichen Graben“ soll die Veranstaltung schließen.

Wie könnte man sie denn beschreiben? „Es ist eine Art Kleinkunstbühne, nur eben ohne den Beigeschmack von Hinterhof-Comedy“, sagt der Deutschstudent. „Vor allem ist der Slam Supreme eine Plattform für performative Kunst, die jungen Künstlern abseits vom institutionalisierten Kunstbetrieb die Chance bietet, ihr ausgereiftes Konzept einem Publikum vorzustellen.“

Letzteres hat inzwischen in der Mensa Bar Platz genommen, stillt den Durst mit Radler und Apfelschorle, und wartet darauf, dass die Show losgeht. Auf der Bühne stimmt sich die fünfköpfige Band „Matou Noir“ mit Violine, Gitarre, Cello und Kastagnetten schon mal auf den Abend ein, den sie mit einer entspannten Mischung aus Klezmermusik und Balkantönen untermalt.


Supreme in Großbuchstaben


Dann: Licht, Applaus, Action: „Unser Programm verdient es, dass der Name ‚Supreme’ diesmal in ganz großen Buchstaben geschrieben werden sollte“, sagt die Moderatorin Fiona Hesse und gibt die Bühne einem wilden Fluss von Worten und Klängen frei, die die Künstler in ihren siebenminütigen Auftritten aneinanderreihen. Da geht es um schwäbischen Kehrwochenterror, um von Schülern erpresste Lehrer, die sich aus Verzweiflung an den Sparbüchern der Kinder vergehen, die fragwürdige katholische Lebensmentalität und astrologische Prognosen, die sich auf den weiblichen Charakter auswirken. „Performative Kunst“ lebt eben von der unmittelbaren Wirkung, der Reaktion des Publikums und das lacht, johlt, grölt, trommelt mit den Beinen und fordert Zugaben.



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Verstärkung gesucht!

„Das Programm ist von Monat zu Monat unterschiedlich“, erklärt Johannes. Zwar gibt es ein paar „Stammgäste“, die regelmäßig auftreten, doch viele der Künstler - die meisten studieren noch - werden aus ganz Deutschland nach Freiburg eingeladen. Denn der Slam Supreme ist keine „open mike night“, bei der jeder spontan auf die Bühne darf. Stattdessen schickt man ein paar Arbeitsproben an Johannes, der die Texte mit einem „improvisierten Team“ von Freunden und Kollegen bespricht.

Neben neuen Künstlern sucht der Student vor allem Freiwillige, die Lust haben, ihn bei der Organisation der Veranstaltungen zu unterstützen: „Es ist alles ehrenamtliches Engagement, außer Ruhm und Ehre ist dabei nichts zu holen“, erklärt er lachend. „Es wäre aber sehr hilfreich, ein richtiges Team zu haben, mit dem man sich beratschlagen und neue Ideen entwickeln könnte.“

Daran mangelt es nicht, auch die „Ressourcen“ sind für verschiedene Projekte vorhanden: Mit einer Band, hochkarätigen Schauspielern von der Freiburger Schauspielschule, einer Sängerin und technischem Allerlei, das zur Verfügung steht, könnte man zum Beispiel mal ein längeres Theaterstück verwirklichen. Außerdem soll demnächst ein Buch mit gesammelten Beiträgen verschiedener Slam Supremes erscheinen.


Info

Der nächste Slam Supreme findet am Dienstag, den 24. Juni 2008, um 20.30 Uhr in der Mensa Bar, Rempartstraße statt. Der Eintritt beträgt 5 Euro, 3 Euro ermäßigt. Unter www.slam-supreme.blogspot.com findet Ihr alle weiteren Informationen zum Slam Supreme.
























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