...und viermal gab's ne Eins
Stell Dir vor, in drei Wochen ist eine der schwierigsten Klausuren Deines Studiums. Und stell Dir vor, Du hast keine Ahnung vom Stoff. Wäre doch super, wenn jetzt jemand an die Uni käme, um Dir alles zu erklären. Gibt's nicht? Gibt's doch. Und zwar diesen Sommer.
Peter Wieczorek, Jura
ins Leben gerufen.
"Wie hätten Sie's denn gern?" Mit dieser Frage an die Studierenden begann PD Dr. Andreas Jakoby von der Uni Lübeck seinen Intensivkurs in Freiburg. Man einigte sich darauf, die folgenden drei Wochen mit theoretischem Unterricht und Übungen im Wechsel zu verbringen und sich so auf die Prüfung vorzubereiten.
Das war im vergangenen August, als sich etwa 20 Studierende mitten in den Semesterferien im Hörsaal versammelt hatten. Sie nahmen an dem Repetitorium teil, um dann eine Klausur zu schreiben. Prüfstoff: Theoretische Informatik III, die Nachhol-Klausur.
Was nicht gerade nach Sommerfrische klingt, ist eines der schwierigsten Themen des Informatik-Studiums. "Die Veranstaltung ist mathematisch und abstrakt", sagt Professor Christian Schindelhauer, der das Repetitorium ins Leben gerufen hat, "da gibt es nichts zu bauen oder zu programmieren, wie sonst bei Informatikern üblich."
Nachklausur erst Ende des nächsten Semesters möglich
Hinzu kommt: Die Vorlesung wird nur im Wintersemester angeboten, mit anschließendem Klausurtermin. Wer da nicht besteht (und das sind einige), hat erst im Herbst eine neue Chance in der Nachklausur. Ein halbes Jahr später also.
"Dazwischen gab es bislang keine Veranstaltung mehr – und in meine Sprechstunde kommen nur wenige Studierende, wenn sie Fragen haben", erklärt Schindelhauer. Denn wer fragt schon gerne seinen eigenen Prüfer um Rat? Also musste für das neue Repetitorium ein Dozent von außerhalb her – Dr. Jakoby eben.
Fast alle Teilnehmer bestanden
Hier werden im
September die Köpfe rauchen.
Die richtige Wahl, wie sich zeigte: Die Studierenden bewerteten ihn mit der Note 1,1. Auch sonst war der Kurs ein voller Erfolg: Fast alle Teilnehmer bestanden die Klausur, und zwar im Schnitt besser als die Nicht-Teilnehmer. Viermal gab's sogar die Note 1. "Es hält sich ja das Gerücht, es gebe eine Quote, nach der eine bestimmte Zahl von Studierenden durchfallen muss", so Schindelhauer. "Das stimmt natürlich nicht. Wir wollen alle durchbringen – aber die Qualität der Leistung muss eben auch stimmen."
Repetitorium in anderen Fächern gewünscht
Und weil da das Repetitorium gut geholfen hat, wünschen sich jetzt etliche Studierende vergleichbare Kurse in anderen Fächern. Das ergab die Auswertung der Evaluierungs-Bögen nach der Veranstaltung. Technische Informatik wurde als Wunschfach angegeben, Mathematik ebenso. Auf einem Blatt stand schlicht "Überall". Die Mittel wären dank Studiengebühren vorhanden. Das Repetitorium wird komplett daraus finanziert. "Wir sind jetzt in der glücklichen Situation, dass wir uns eine solche Veranstaltung leisten können. Also sollten wir das auch machen", sagt Schindelhauer.
Studiengebühren in anderem Licht
Dass diese Verwendung der Gebühren sinnvoll ist, zeigt ein anderes Ergebnis der Evaluation. Mehrere Teilnehmer haben angegeben, dass sie Studiengebühren jetzt etwas sinnvoller fänden als vorher. Denn 500 Euro sind zwar eine Menge Geld, aber wenn es im Gegenzug eine bestandene Angst-Klausur gibt, ist das ja auch was wert.
Aktuell: Repetitorium im September
Diesen Sommer läuft das Repetitorium vom 1. bis 19. September. Anmelden ist nicht nötig, bei der Veranstaltung erscheinen reicht. Mehr Infos unter http://cone.informatik.uni-freiburg.de
