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Historisches Engagement

Sebastian Thiele hat den „Studentenwerkspreis für besonderes soziales Engagement 2007/08“ erhalten. Geehrt wurde er für sein Web-Projekt „Berufe für Historiker“. Wir wollten wissen, wie es ist, der ‚engagierteste Student’ Deutschlands zu sein.


Von Rimma Gerenstein, Germanistik, Anglistik, Geschichte


Eigentlich schreibt Sebastian gerade an seiner Magisterarbeit. Zwischen lesen, schreiben und kopieren bleibt da wohl nicht so viel Zeit für anderes übrig. Im November 2008 hat sich der Geschichtsstudent trotzdem „frei genommen“, um den „Studentenwerkspreis für besonderes soziales Engagement 2007/08“ in Berlin abzuholen. Mit 750 Euro prämierten das Deutsche Studentenwerk und das Bundesministerium für Bildung und Forschung Sebastians Web-Projekt „Berufe für Historiker“ - eine Homepage mit Tipps und Infos rund um Berufschancen.


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Erhielt den Studentenwerkspreis 2007 / 08: Sebastian Thiele.

Bild: Rimma Gerenstein


Wie fühlt es sich an, der engagierteste Student Deutschlands zu sein?


Die Freude über die Auszeichnung ist natürlich groß und vor allem ist es schön, dass das Projekt dadurch mehr Aufmerksamkeit erfährt. Aber ich muss auch dazu sagen, dass ich nicht „der“ engagierteste Student bin – schließlich gibt es insgesamt sieben Preisträger. Und aus den über 200 Nominierungen hätten es auch noch viele andere Projekte verdient, ausgewählt zu werden.


Stimmt. Schließlich lässt sich soziales Engagement doch eigentlich schwer bemessen oder vergleichen…


Das finde ich auch. Die Jury hat ihre Auswahlkriterien auch nicht bekannt gegeben. Auf jeden Fall weiß ich, dass im Bewerbungsprozess ausschließlich das Projekt im Vordergrund stand. Den Jurymitgliedern waren nur noch der Studiengang und die Semesterzahl bekannt. Wenn ich mir die Projekte anschaue, die ebenfalls ausgezeichnet wurden, wie zum Beispiel das Magazin „360°“ aus Münster, kann ich mir vorstellen, dass zum Beispiel die Dauer des Engagements und die Innovationskraft eine Rolle gespielt haben. Bei diesem Preis geht es ja darum, dass sich Studierende für andere Studierende einsetzen und dass dieses Engagement möglichst Vielen zu Gute kommt.


Wie profitieren Studierende denn von deiner Homepage? Mit anderen Worten: Warum ist „Berufe für Historiker“ wichtig?


Viele angehende Historiker sind sehr pessimistisch, was ihre berufliche Zukunft angeht und wissen oftmals gar nicht über ihre Möglichkeiten Bescheid. Das betrifft nicht nur Studierende. Die Hälfte der Anfragen, die ich bekomme, sind von Schülern aus ganz Deutschland, die sich zum Beispiel überlegen, ob sie ein Geschichtsstudium anfangen sollen und sich nach ihren Berufschancen erkundigen. Da ist offensichtlich ein Orientierungsbedürfnis vorhanden. Die Homepage informiert über allerlei Berufsfelder, enthält Artikel und Links zu relevanten Seiten. So ein Angebot gab es einfach noch nicht und diese Lücke wollte ich füllen.

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Wer Lust hat, mitzumachen, melde sich bei Sebastian.

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Homepage zu erstellen? War das die berühmte Angst des Geschichtsstudenten, keinen Job zu finden?


Zum einen fand ich es spannend, weil ich mich schon seit längerer Zeit für Homepagegestaltung interessiert habe. Als ich im dritten Semester war, habe ich mit dem Aufbau der Seite angefangen. Allein diese Arbeit hat über ein halbes Jahr gedauert. Außerdem ist es natürlich auch für mich als Geschichtsstudent interessant zu wissen, welche Berufe ich später einmal ausüben kann. Vor allem weil diese praktische Seite in den Seminaren ja eher nicht behandelt wird.


Du hast das Projekt vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Wie geht es jetzt mit der Homepage weiter?


Da habe ich schon mehrere Ideen. Zurzeit arbeite ich zum Beispiel an einem Projekt, für das ich elf Interviews mit Historikern aus ganz Deutschland geführt habe. Sie sind in unterschied-lichsten Branchen tätig und geben an ihrem konkreten Beispiel wertvolle Tipps für den Berufseinstieg. Außerdem möchte ich bald eine Kommentarfunktion oder ein Forum einrichten, damit sich die Nutzer austauschen können. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich gerade an meiner Magisterarbeit schreibe und nur noch ein Jahr an der Uni bin, wäre es schön, wenn sich ein kleines Team fände, mit dem ich die Homepage gemeinsam weiter entwickeln und betreiben kann.


Und wenn sich jetzt jemand angesprochen fühlt…


… kann  er sich gerne bei mir über die Homepage melden. Ich bin für jede Anregung offen!


Angenommen du würdest das Internet nach geeigneten Berufen für Historiker durchforsten und dabei auf deiner Seite landen. Was würdest du dort zuerst anklicken?


Mich persönlich würde es interessieren, in den Bereichen Wissenschafts- oder Informationsmanagement zu arbeiten. Der Stiftungsbereich wäre auch spannend. Es ist aber interessant zu beobachten, dass klassische Historikerberufe, wie zum Beispiel Archivar, Bibliothekar oder Dozent mit Abstand am meisten angeklickt werden. Die Berufsorientierung verläuft also eher in traditionellen Bahnen.


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Die Homepage...

... findet Ihr unter www.berufe-fuer-historiker.de

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