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Jetzt mal Klartext

Wie, das Career Center wird geschlossen? Und die UB kauft keine Bücher mehr? Seit der Uni Freiburg 5,3 Millionen Euro wegen der Geschwisterregelung fehlen, brodelt die Gerüchteküche. Im Interview sagt Prof. Dr. Heiner Schanz, Prorektor für Lehre, wie es wirklich aussieht.

 

Die Fragen stellte Rimma Gerenstein.

 

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Professor Dr. Heiner Schanz, Prorektor für Lehre, betonte bereits im Juni 2009, dass die Lehre keinen Schaden nehmen wird.

Foto: SC

Herr Professor Schanz, im Juni dieses Jahres sprachen wir mit Ihnen über die Auswirkungen der Geschwisterregelung auf die Studierenden. Damals sagten Sie, dass die Lehre keinen Schaden nehmen werde. Im August hat das Rektorat bei einer Pressekonferenz die Kürzungen bei Studiengebührenausgaben vorgestellt. Wo wird denn nun eingespart?


Konkret haben wir zum Beispiel im Bereich des Hochschulsports deutliche Kürzungen vorgenommen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Kurse gestrichen oder insgesamt weniger Veranstaltungen angeboten werden. Beim Hochschulsport kann man durch die Teilnahmegebühren einiges ausbalancieren, wie das aber genau aussehen wird, steht zurzeit noch nicht fest.

Die Kürzungen betreffen vor allem Sachmittel. Das äußert sich in der technischen Ausstattung der Universität, zum Beispiel bei der Ausstattung der Computerräume, die an der Uni Freiburg in den letzten Jahren sehr stark vorangetrieben wurde. Deswegen können wir hier Geld einsparen, indem wir erst einmal keine neuen Geräte anschaffen. Ein weiterer Bereich, den die Kürzungen betreffen, ist die Lehrbuchsammlung der Universitätsbibliothek.

 

Und der stehen jetzt, wie es bei der Pressekonferenz hieß, rund 650.000 Euro weniger zur Verfügung. Was genau bedeuten diese Kürzungen? Etwa nicht mehr so viele Bücher in den Regalen?


Zunächst möchte ich etwas klarstellen: Die Universitätsbibliothek hat einen Grundetat für die Buchbeschaffung, der nicht aus Studiengebühren finanziert ist und an diesem Etat wurde nichts verändert. Bei den 650.000 Euro handelt es sich um einen „add-on“-Betrag, also einen Zusatz, der der UB jährlich für bessere Standards in Studium und Lehre aus Studiengebühren zugewiesen wurde.

Von diesem Betrag wird nun einmalig die Hälfte eingespart. Das heißt aber nicht, dass bestimmte Angebote wegfallen, an die sich die Lernenden und Lehrenden gewöhnt haben. Über die Exzellenzinitiative konnten wir jetzt zum Beispiel neue Verträge für Fachzeitschriften schließen, die allen zugute kommen, mit den Studiengebühren aber nichts zu tun haben.

Man kann also nicht so einfach sagen, da wurde etwas gestrichen, jetzt fällt da unmittelbar etwas weg.

 

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Wie sieht es mit den Planstellen für Dozierende aus?

Was die Studierenden aber unmittelbar betrifft, ist die Frage, ob neue Dozierende eingestellt werden. Fakt ist: In den Fakultäten sollen Planstellen sechs Monate nicht besetzt werden.

 

Das stimmt, aber das hat nichts mit der Geschwisterregelung zu tun. Die Finanzierung einer Universität setzt sich ja aus unterschiedlichen Töpfen zusammen und wie diese Töpfe verwendet werden sollen, ist durch die Geldgeber ganz klar vorgeschrieben, das heißt, ich darf nicht einfach etwas von einem Etat abziehen und zu einem anderen dazu tun.

Die Stellenbesetzungssperre, die nun ansteht, hängt mit dem Grundhaushalt der Universität zusammen. Wir haben uns dafür entschieden, Planstellen sechs Monate lang unbesetzt zu lassen und die dafür zugewiesenen Beträge zu nutzen, um den Grundhaushalt auszugleichen, der dieses Jahr unter anderem durch hohe Energiekosten ziemlich belastet war.


Aber die Situation bleibt dieselbe: Die Planstellen werden nicht besetzt. Und wenn Lehrpersonal fehlt, werden doch auch weniger Lehrveranstaltungen angeboten, oder?

Um das zu vermeiden, gibt es eine ganze Reihe von Ausnahmeregelungen im Bereich von Studium und Lehre, denn das hat absolute Priorität. Das heißt, wenn Veranstaltungen gefährdet sind, greift die Sperre nicht. Stellen die Fakultäten also einen Antrag, in dem sie erklären, dass es aufgrund von Personalmangel Schwierigkeiten in Studium und Lehre gibt, werden die Stellen ohne Verzögerung besetzt. Die Studierenden müssen sich also keine Sorgen machen, dass dieses Semester Veranstaltungen nicht angeboten werden.

 

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Auch wenn der UB 650.000 Euro weniger zur Verfügung stehen: So wird es in den Regalen nicht aussehen.


Foto: SC

 „Das Career Center macht dicht“ hieß es vor einigen Wochen in der Presse. Die Uni hingegen stellte klar, dass der Service nach wie vor bestehen bleibe, das Career Center jedoch gemeinsam mit anderen Einrichtungen der Uni umstrukturiert werde. Warum werden jetzt diese Änderungen vorgenommen – ein Resultat der Einsparungen?


Nein. Die Idee zur Restrukturierung geht bereits auf das Rektorat Vosskuhle zurück. Die Idee dahinter ist, dass wir den Service für die Studierenden verbessern wollen. Im Bereich der Studierendenadministration zum Beispiel wurde es Zeit für modernere Strukturen, denn obwohl unsere Administration gut funktioniert, ist sie nicht an die veränderten Studienbedingungen, sprich an die Bachelor- und Masterstudiengänge, angepasst worden.

Das gleiche gilt für die Beratungsleistungen. Für sämtliche Belange rund um das Studium soll es in Zukunft eine zentrale Anlaufstelle geben, nämlich das „Service Center Studium“, bei dem Leistungen der Uni, wie zum Beispiel Studienberatung, Career Services oder Zentrum für Lehrerbildung, unter einem Dach in einem "Haus der Studierenden" in der Sedanstraße angeboten werden.

Mit den Studiengebühren hat dieser Prozess nichts zu tun, obwohl wir durch diese Umstrukturierungen einiges sparen können, was ein positiver Nebeneffekt ist.


Zum Schluss noch ein Ausblick: Um das 5,3 Millionen große Budgetloch auszugleichen, reichen die Einsparungen alleine nicht aus, die Uni musste einen Vorgriff von 1,5 Millionen Euro auf das nächste Jahr machen. Fehlt dadurch nicht wieder ein großer Betrag?


Ja und Nein. Die Studiengebühren, von denen wir ausgehen, basieren ja auf einer Prognose. Nach unseren Erfahrungswerten nehmen wir an, dass circa 42 Prozent aller Studierenden durch die Geschwisterregelung von den Studiengebühren befreit sind – ich weiß aber schon jetzt, dass die Gesamtzahl der Studierenden zunehmen wird.

Das heißt also, dass wir auch mehr Einnahmen haben werden. Außerdem wissen wir erst nach Ende eines Geschäftsjahres, welche Reste von nicht ausgegebenen Studiengebühren noch vorhanden sind. Diese Zahlen werden wir aber erst im März 2010 haben.

Das heißt natürlich nicht, dass wir das nächste Jahr in Saus und Braus leben können. Uns wurde eine Diät verordnet, aber wenn wir schlanker sind, werden wir nicht notwendigerweise ungesünder, es kommt eben darauf an, was man aus der Situation macht. Eines ist aber sicher: Vom Verhungern sind wir weit entfernt!

 

Info: "Exzellente Lehre"

Gestern, am Montag, den 19.10.2009, wurde die Uni Freiburg mit ihrem Lehrkonzpet "Freiräume für das Studium - Windows for Higher Education" im Wettbewerb "Exzellente Lehre" ausgezeichnet und erhält eine Million Euro. Mehr dazu im Artikel "Exzellente Lehre!" in diesem Newsletter.

 

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Die Auswirkung der Geschwisterregelung auf die Studierenden: "Die Lehre nimmt keinen Schaden - das Studium schon". Professor Dr. Heiner Schanz, Prorektor für Lehre, und Albrecht Vorster, ehemaliger Vorsitzender des AStA, im Gespräch im Studierenden-Newsletter 6/2009

 

 

 

 

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