"Wir wollen, dass es knallt!"
Seit einer Woche ist das "14Magazin" auf dem Markt – und überall auf dem Campus zu sehen. Im Interview erzählen Christina Schmitt und Morten Freidel, Chefredakteure des studentischen Magazins, wie die Welt auf 73 Seiten passt.
Das Interview führte Rimma Gerenstein, Germanistik, Anglistik, Geschichte
Seit einer Woche ist die erste Ausgabe des „14Magazin“ draußen. Wie kann man sich den Weg von der Idee im Kopf bis zum Heft in der Hand vorstellen?
Christina: Der war ziemlich anstrengend. Die Idee hatte ich zusammen mit zwei Kommilitonen, darunter war auch Felix Dachsel, der das Heft mitbegründet hat. Wir wollten ein studentisches Magazin, das unabhängig und authentisch ist, das Themen behandelt, die sonst nicht unbedingt in der Presse vertreten sind, also kurz: ein Magazin, bei dem wir über das schreiben können, was wir möchten.
Und das gab es in Freiburg bisher einfach noch nicht. Im November letzten Jahres haben wir angefangen, das Magazin auf die Beine zu stellen.
Konkret heißt das zum Beispiel: Konzept entwerfen, Autoren, Grafiker und Fotografen suchen und vor allem für die Finanzierung sorgen – eine ziemlich schwierige Aufgabe, die Morten übernommen hat. Wochenlang ist er mit einer Präsentationsmappe von Unternehmen zu Unternehmen gezogen, hat unser Magazin vorgestellt und um Anzeigen geworben.
Woher wisst Ihr eigentlich, wie man ein Magazin macht?
Christina: Ich habe schon mit 15 Jahren angefangen, für verschiedene Zeitungen zu schreiben. Außerdem habe ich lange bei der Schülerzeitung gearbeitet, wo ich nicht nur Artikel geschrieben habe, sondern auch für allerlei Organisatorisches zuständig war. Das war eine echt gute Vorbereitung, denn jetzt weiß ich, was alles dazu gehört, um ein Magazin zu machen, und auf was man achten muss, von der Themenplanung bis zum Druck.
Morten: Ich arbeite auch schon seit einiger Zeit neben dem Studium als Journalist, komme aber eigentlich eher aus der literarischen Warte. Klar, gewisse Voraussetzungen, wie zum Beispiel ein gutes Sprachgefühl, muss man schon mitbringen, aber viele Dinge lernt man auch, wenn man sich erst einmal mit der Materie beschäftigt.
Außerdem empfinde ich es als Vorteil, dass wir auf dem Gebiet noch nicht so erfahren sind. Man ist einfach viel kreativer, hat einen frischeren Blick und lässt sich nicht so leicht in ein Korsett spannen, das einem vorschreibt, wie ein Magazin im konventionellen Sinne auszusehen hat.
In der Ausgabe haben wir zum Beispiel ein Interview, das acht Seiten lang ist, wir haben einen literarischen Text veröffentlicht – diese Freiheiten hat man sonst nicht. Und genau das zeichnet das „14Magazin“ aus, gibt uns sozusagen ein Gesicht.
Die „14“ im Magazintitel steht nicht etwa für die Anzahl der Redaktionsmitglieder, sondern ist die Quersumme aus 0761, der Freiburger Vorwahl. Bestimmt der regionale Bezug das Programm?
Morten: Nein, nicht unbedingt. Unser Anspruch ist es, auch über unseren Tellerrand zu gucken und auf Dinge in der Gesellschaft aufmerksam zu machen, die uns wichtig sind. Und dazu gehören natürlich auch Themen, die über Freiburg und den Campus hinausgehen.
Zum Beispiel das Interview mit Thomas Volk vom RCDS und Niko Grimm von der Hochschulgruppe Linke.SDS: Das sind zwar zwei Freiburger Studenten, aber in dieser Begegnung prallten zwei völlig unterschiedliche Weltbilder aufeinander, und das ist ja etwas, was für alle relevant ist.
Wir haben auch einen Artikel über das Leben in Istanbul, in einer anderen Reportage berichten wir über unsere Erlebnisse in Münchner Burschenschaften, bei denen wir uns eingeschleust haben.
Christina: Das sind Themen, die nicht nur Freiburger Studierende interessieren. Der Gedanke hinter der Quersumme ist: Das Magazin soll so etwas wie ein Querschnitt der Gesellschaft sein und all die unterschiedlichen Facetten widerspiegeln.
Ihr Beide seid die designierten Chefredakteure des Magazins. Wie sieht denn Eure Arbeit aus?
Christina: Zu unseren Aufgaben gehört natürlich nicht nur die Themenrecherche, das Schreiben und Korrigieren von Texten, sondern auch viel Organisatorisches, also zum Beispiel dafür zu sorgen, dass Rechnungen bezahlt werden, dass der Fotograf bei einem Interviewtermin anwesend ist, oder dass das Magazin in Druck geht. Uns ist aber wichtig, dass das ganze Team auf einer Ebene steht: Alle können ihre Ideen einbringen und sich engagieren.
Morten: Vieles ist auch noch im Aufbau: Ein Büro haben wir immer noch nicht, meistens treffen wir uns bei Christina oder bei mir zu Hause, da stehen überall dicke Ordner mit „14Magazin“ drauf. Auch was die Arbeit im Team angeht, werden sich erst mit der Zeit feste Strukturen einspielen, also zum Beispiel, wann man sich zur zentralen Redaktionskonferenz trifft und wann die Themen eher mit den Autoren besprochen werden.
Nebenbei müsst Ihr ja auch noch auf Klausuren lernen und Referate halten…
Morten: Das Magazin ist im Prinzip ein full-time Job, stressig ist es auf jeden Fall. Man muss ständig irgendetwas erledigen, auch wenn es nur eine Kleinigkeit wie Rechnungen schreiben ist…
Christina: …und dazu kommt ja auch, dass wir das Ganze ehrenamtlich machen. Aber wir sind einfach Überzeugungstäter, anders kann man es nicht sagen.
Kaum ist das erste Heft auf dem Markt, müsst Ihr Euch an die Arbeit für die zweite Ausgabe machen, die nächstes Semester erscheint. In welche Richtung soll sich das Magazin entwickeln?
Morten: Unser Profil wird sich im Laufe der Arbeit immer mehr ausbilden, aber eins ist sicher: In die Kuschelecke werden wir uns auf keinen Fall stellen. Das Magazin soll die Leute aufwecken, aus ihrem Alltag reißen, ihnen die Augen für die Probleme in unserer Gesellschaft öffnen. Wir wollen, dass es knallt!
Christina: Ich hoffe, dass wir von Magazin zu Magazin besser werden. Ich möchte nach jeder Ausgabe denken: Ja, das war jetzt schon gut, aber es ist noch immer Luft nach oben. Und es wäre schön, wenn die Leute im nächsten Semester sagen: „Hey, in ein paar Tagen kommt das neue 14Magazin.“
Hier geht’s zum Heft!
Das „14Magazin“ erscheint einmal pro Semester und kostet 1 Euro. Zu kaufen gibt es das Magazin in den Buchhandlungen Schwanhäuser, Jos Fritz und Walthari.
Bis Ende November könnt Ihr es außerdem zwischen 12 und 14 Uhr vor der Mensa Rempartstraße sowie auf dem Kontakthof kaufen. Haltet einfach mal nach Christina und Morten Ausschau.
Und auch im Netz kommt Ihr an das Heft: Die Aktuelle Ausgabe könnt Ihr über die Homepage bestellen: www.14magazin.de
