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Bildungsstreik

Freiheit im Studium, bessere Lehre: Der Rektor der Uni Freiburg, Professor Hans-Jochen Schiewer, antwortet auf Fragen zur aktuellen Diskussion um Studienbedingungen. Und: Wir haben heute morgen bei Euch nachgefragt, was Ihr Euch vom Bildungsstreik erhofft.

 

Text 5 Fragen, 5 Antworten: Rektorat

Interview mit Schülern und Studierenden: Doreen Fiedler, Linguistik und Neuere und Neueste Geschichte

 

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Transparent im KG II.

 

Zentrale Forderungen der Studierenden sind unter anderem:

- Freiheit im Studium

- Bessere Lehre

- Eine ausreichende öffentliche Finanzierung der Hochschulen und eine Abschaffung von Studiengebühren

- Eine qualitative Studienreform der Bachelor- und Masterstudiengänge

- Die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft

 

Rektor Schiewer zur aktuellen Diskussion um Studienbedingungen. 5 Fragen, 5 Antworten.
 

 

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Rektor Schiewer: "Das Problem der strukturellen Unterfinanzierung der Universitäten ist bekannt."
Foto: Kunz

 1. Sind die Fächer noch studierbar? Und wie viel Freiheit im Studium lassen die neuen Studienpläne noch zu?


Rektor Schiewer: Die Kritik an der mangelnden Studierbarkeit mancher Fächer trifft teilweise zu. Allerdings dürfen hier nicht alle Studiengänge über einen Kamm geschoren werden. Das Problem ist von Fach zu Fach verschieden und dadurch bedingt, dass aufgrund fehlender Erfahrungen die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse – bis auf die Staatsexamensstudiengänge – zwar organisatorisch geglückt ist, in einigen Fällen jedoch nicht durchgehend inhaltlich und didaktisch völlig zufrieden stellend umgesetzt wurde.

Das Rektorat und die Fakultäten haben den Handlungsbedarf erkannt und arbeiten bereits seit gut eineinhalb Jahren gemeinsam mit den Studienkommissionen unter Beteiligung der Studierenden an Verbesserungen in den betroffenen Studienfächern.

Die Zahl der Änderungsbeschlüsse von Prüfungsordnungen im Senat ist beredtes Zeugnis hierfür. Die Universität Freiburg ist hier sicher weiter als viele andere Hochschulen: Aufgrund der frühen, vollständigen Umstellung auf das gestufte Studiensysteme läuft hier die Reform der Reform längst!

Die Forderung nach größeren Freiräumen im Studium unterstütze ich grundsätzlich. Ein Teil der finanziellen Mittel, welche die Universität durch die Auszeichnung im Rahmen des Wettbewerbs Exzellente Lehre von Stifterverband und KMK erhalten wird, werden eingesetzt, um hier Lösungen zu erarbeiten.

 

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2. Bessere Lehre – und das bei chronischer Unterfinanzierung der Hochschulen?


Das Problem der strukturellen Unterfinanzierung der Universitäten ist bekannt. Zwar besteht durch den Solidarpakt eine gewisse haushalterische Sicherheit, an der Realität, dass Mittel im Bereich der Lehre fehlen, ändert dies jedoch nichts. Bund und Land geben durch Programme wie Hochschule 2012 und 2020 zwar zusätzliche Mittel in die Universitäten, das ist jedoch nicht ausreichend. Hier ist die Politik in der Pflicht, dringend verlässliche Perspektiven gemeinsam mit den Universitäten zu entwickeln.



3. Warum braucht die Universität Studiengebühren?


Angesichts der finanziellen Unterfinanzierung ist evident, dass die Universität die Studiengebühren braucht, um Freiräume für Entwicklungen in Studium und Lehre zu haben – auch wenn sie im Haushalt insgesamt einen relativ gesehen nur kleinen Teil ausmachen. Im Zusammenhang mit den neuen Befreiungstatbeständen, Stichwort „Geschwisterregelung“, haben wir in diesem Jahr erfahren, was es bedeutet, wenn ein Drittel weniger Mittel aus Studiengebühren zur Verfügung stehen.

Wer fordert, Studiengebühren abzuschaffen, muss gleichzeitig sagen, woher zusätzliche Mittel kommen oder wo gekürzt werden soll. Schließlich wird über Bildungschancen nicht erst an der Universität, sondern vor allem auch im vorschulischen und schulischen Bereich entschieden.

 

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4. Muss auf den Bachelor- auch ein Master-Abschluss folgen?


Auch den Übergang vom Bachelor- zu Masterstudium muss man differenziert betrachten. Es gibt bereits jetzt konsekutive Masterstudiengänge, die nicht ausgelastet sind, andere sind sehr gefragt. Die Universität macht derzeit die ersten Erfahrungen mit den Bachelor-Absolventenjahrgängen und beobachtet die Angebot- und Nachfragesituation genau. Es hat sich gezeigt, und das sagen auch alle externen und internen Studien, dass sich der Bachelor bewährt hat und auf dem Arbeitsmarkt akzeptiert wird.

 

5. Macht sich die Universität durch die Einnahme von Drittmitteln abhängig?


Fakt ist: Die Universität ist auf Drittmittel – die meisten kommen vom Staat – und auf Kontakte zu Wirtschaft und Gesellschaft angewiesen. Hier von einer Beeinflussung zu sprechen, entbehrt jeder Grundlage. Die Universität profitiert von diesen Kontakten und tut gut daran, sich den Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft nicht zu verschließen.

Das schließt im Übrigen die sorgfältige Prüfung von Kooperationsbeziehungen der Universität explizit ein. Die Unabhängigkeit der Universität ist eines ihrer höchsten Güter. Ein enger Austausch mit Wirtschaft und Gesellschaft in diesem Geiste ist auf Institutsebene seit langem Realität und gute Praxis – zum beiderseitigen Vorteil. Von einer Beeinflussung der Selbstverwaltungsgremien kann deshalb keine Rede sein.

Das Rektorat der Universität ist grundsätzlich bereit, die Diskussion um Studienbedingungen mit den Vertreterinnen und Vertretern der Studierenden wie bisher auf einer konstruktiven und sachlichen Basis weiter zu führen.

 

Umfrage: Warum bist Du beim Streik dabei?

 

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Julian

Julian, 18, 13. Klasse Staudinger Gesamtschule

Ich bin heute hier, um gegen das Bildungssystem zu demonstrieren. Die Klassen sind zu groß und die Schulen zu klein, sodass die Schüler nicht individuell betreut werden können. Ich wünsche mir für alle Schüler Tandemklassen, in denen zwei Lehrer zusammen unterrichten. Auch bin ich für eine Gesamtschule, in der wir länger gemeinsam lernen können. Wenn man die skandinavischen Länder betrachtet, dann sieht man, dass das funktioniert.


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Anna und Alexandra

Anna, 25, und Alexandra, 21, Grundschullehramt, PH

Studiengebühren bringen keine Verbesserung der Lehre, es gibt noch immer überfüllte Seminare, in denen wir auf dem Boden sitzen müssen. Dafür Gebühren zu zahlen sehen wir nicht ein. Es ist keine freie Bildung mehr, wenn wir über 1.000 Euro pro Jahr zahlen müssen.

Außerdem sind die Studienbedingungen schlecht: Die Seminare werden in Losverfahren vergeben, da entsteht ein richtiger Kampf, um sich als erste einschreiben zu können. Wir sind schon froh, wenn wir überhaupt unser Studium durchbringen können, geschweige denn, dass wir das studieren können, was wir am liebsten möchten.


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Benedikt


Benedikt, 22, Sport, Theologie und Spanisch

Ich trage eine Krone, weil wir das Recht haben, unsere Meinung zu sagen wie ein König. Ich persönlich bin vor allem gegen Studiengebühren, da sie zu sozialer Selektion führen, also zu einer Zweiklassengesellschaft. Ich fürchte, dass der Staat sich aus der Verantwortung zieht und die Prioritäten falsch setzt. Bildung ist das höchste Ziel. Das wird momentan nur versprochen, aber nicht umgesetzt.


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Jakob


Jakob, 20, Jura, Leiter des Arbeitskreises Bildungsstreik

Wir haben festgestellt, dass eine Demo alle halbe Jahre nicht besonders wirkungsvoll ist und inhaltlich nicht sinnvoll, deswegen besetzten wir jetzt das Audimax. Hier hören wir im Plenum viele Meinungen, es äußern sich ganz verschiedene Studierende bei den Diskussionen.

Gerade besprechen wir konkrete Forderungen an das Rektorat und das Land, wie etwa die Abschaffung der Anwesenheitspflicht, die Reformierung von Bachelor und Master, die Wiedereinführung der verfassten Studierendenschaft oder die finanzielle Unabhängigkeit der Uni, bei der sich die Wirtschaft raushalten soll.


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Rahel
Rahel, 20, Biologie und Englisch

 

Bildung sollte allen zugänglich sein. Unter anderem sind die Studiengebühren ein Grund, dass viele Leute auf der Strecke bleiben. Wichtig wären auch kleinere Klassen an den Schulen, kleinere Seminare und nicht so überfüllte Räume, in denen man auf der Treppe sitzen muss.


 

 

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