Sind wir nicht alle ein bisschen Cyborg?
Ist das Handy wie ein dritter Arm? Und macht das den Menschen zu einem Hightech-Brocken, so nebenbei im Alltag? Das Theaterstück „Ich, Cyborg!?“ zeigt, wie Mensch und Technik zueinander stehen – und wie die Zukunft aussehen könnte. Karten zu gewinnen!
Von Rimma Gerenstein, Germanistik, Anglistik, Geschichte
Stark wie Superman und schlauer als Albert Einstein: Was sich wie ein Science Fiction Film anhört, ist längst Teil der Realität. Die Möglichkeiten, mit denen Neurowissenschaftler ins Gehirn eingreifen können, reichen von Intelligenz-Doping bis zur Tiefenhirnstimulation, mit der sich die Persönlichkeit des Menschen verändern lässt.
Mit der Inszenierung „Ich, Cyborg!?“ stellt sich ein Team von Freiburger Schauspielerinnen und Schauspielern und Schülerinnen und Schüler die Frage, ob Mensch und Maschine mit dem technischen Fortschritt nicht schon längst zum Cyborg, einer Art Mischwesen, mutiert sind.
Im Interview erzählt Dr. Oliver Müller, Philosoph am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Freiburg, was Euch im Freiburger Stadttheater erwartet.
„Ich, Cyborg!?“ ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin und dem Freiburger Stadttheater. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Der Grundstein dafür wurde mit der Intendanz Barbara Mundels gelegt, die unter dem Leitmotto „In welcher Zukunft wollen wir leben?“ gesellschaftlich relevante Themen in das Theaterprogramm integriert.
Ein Aspekt davon sind aktuelle Entwicklungen der Medizin, die ethische Fragen aufwerfen. Unser Institut hat die Zusammenarbeit sehr gern aufgenommen und gepflegt, weil wir finden, dass eine Kooperation mit dem Theater eine tolle Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Ethik bietet.
In diesem Rahmen entstand im April zunächst das Kongress-Wochenende „Pimp your brain“, bei dem Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen rund um das Verhältnis von Mensch, Wissenschaft und Ethik ihre Ergebnisse präsentierten, darunter war auch die Gruppe „Cyborg-Phantasien“, die ich mitbetreut habe. Nach dem Kongress kam aus allen fünf Gruppen der harte Kern der Schüler zusammen, die sich auf das Theaterprojekt „Ich, Cyborg!?“ einließen, auf eine Inszenierung, die am 1. November 2009 Premiere hatte.
Was war Ihre Aufgabe bei diesem Projekt?
Ich habe es inhaltlich begleitet, dazu gehört zum Beispiel, dass ich den Regisseur Hans-Werner Kroesinger in Sachen Neuroethik beraten habe oder dramaturgisch an der Textfassung beteiligt war. Aber zuerst mussten wir uns ja auf eine Grundlage einigen und entscheiden, in welche Richtung wir mit der Inszenierung gehen wollen, welche Fragen uns eigentlich interessieren.
Deswegen haben wir zunächst nach passendem Material recherchiert. Theoretische Abhandlungen von Philosophen oder Neurowissenschaftlern waren da zum Beispiel oft relativ trocken, aber sie boten viele interessante Punkte, an die man andocken konnte und über die wir in den Proben diskutiert haben. Darüber hinaus haben wir szenisches Material aus Artikeln und Interviews aus Zeitungen und Magazinen gewonnen.
In der Auseinandersetzung mit diesen Texten und aus den Erfahrungen der Schüler aus dem ersten Teil des Projekts sind dann auch die Kurzmonologe in „Ich, Cyborg!?“ entstanden, die sie selbst geschrieben haben.
Ausrufezeichen, Fragezeichen: Bereits der Titel „Ich, Cyborg!?“ macht deutlich, dass das Stück das Verhältnis zwischen Mensch und Technik einer Prüfung unterziehen will. Welche Fragen werden denn auf der Bühne erforscht?
Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Möglichkeiten es gibt oder in Zukunft geben wird, mit Neurotechnologien ins Gehirn einzugreifen, wie zum Beispiel durch Tiefenhirnstimulation. Besonders das so genannte Neuro-Enhancement, die Möglichkeiten, die Intelligenz zu steigern oder Gefühlszustände zu „verbessern“ beschäftigte die Beteiligten. Deswegen ist auf der Bühne während des ganzen Stückes ein Labor zu sehen, in dem unter anderem an Blumenkohlgehirnen herumoperiert wird.
Wie Puzzleteile fügen sich dann nach und nach die Szenen ineinander, in denen sich die Schüler und drei Schauspieler auf unterschiedliche Weise mit dem Cyborg-Thema auseinandersetzen. Konkret heißt das zum Beispiel: Bis zu welchem Punkt bleibt man Mensch, ab wann ist man eine Maschine? Oder sind wir längst Mensch-Maschine-Mischwesen? Was versprechen sich die Menschen eigentlich von solch einem technisierten Cyborg-Dasein und welche ethischen Bedenken sind damit verbunden? Und die Antworten darauf sind sehr unterschiedlich.
Das hört sich nach ziemlich schwerer Kost an. Nach einem Tag voller Seminare und Vorlesungen stellt man sich einen entspannenden Abend wahrscheinlich anders vor. Warum lohnt es sich trotzdem, in „Ich, Cyborg!?“ zu gehen?
Weil das Stück einen starken aktuellen Bezug hat. Die Neurowissenschaften bekommen eine immer größere Deutungsmacht über das, was wir sind, denn das Gehirn ist mit der Persönlichkeit und mit dem freien Willen eng verknüpft.
Es ist eins der gesellschaftspolitischen Themen, das in den nächsten Jahren auf uns zukommen wird und es ist für jeden Einzelnen wichtig, sich Gedanken dazu zu machen, sich damit auseinanderzusetzen, was diese Entwicklungen und Erkenntnisse für unser Selbstbild als verantwortungsbewusst handelnde Individuen und für die Gesellschaft bedeuten. Genauso könnte man fragen, warum man eigentlich zur Wahl gehen sollte.
Karten zu gewinnen!
Für die Vorstellung am 7.12.2009 verlosen wir unter allen richtigen Einsendungen 2 x 2 Karten an Studierende der Uni Freiburg.
Einfach folgende Frage beantworten: Wie heißt das Stück, das noch am 4. und 7.12.2009 am Theater aufgeführt wird und in Zusammenarbeit mit Theater und Uni entstanden ist?
Die Antwort per E-Mail an studi-newsletter@pr.uni-freiburg.de schicken!
Einsendeschluss ist am Donnerstag, 19.11.2009, 12 Uhr.
Die Gewinnerin / der Gewinner wird per E-Mail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Termine
Die beiden letzten Vorstellungen sind am 4. und 7.12.2009, jeweils 19 Uhr. Nach der Vorstellung am 7.12.2009 findet ein Publikumsgespräch im Winterer-Foyer des Theaters statt.
Infos unter www.theater.freiburg.de
