Aussehen anders sehen
Diäten, Essanfälle und eine gestörte Körperwahrnehmung sind charakteristisch für Essprobleme. Ein Körperbildtraining kann helfen, den eigenen Körper wieder zu akzeptieren. Wie das Training wirkt, untersucht Dipl. Psych. Monika Trentowska in zwei Studien am Psychologischen Institut. Teilnehmerinnen gesucht.
Von Wibke Hartleb, Chemie
„Ich bin zu dick“ – denken viele beim Blick in den Spiegel. „Jeder ist mal mehr, mal weniger zufrieden. Aber wenn ein schwieriges Verhältnis zum Essen besteht und der Wunsch, dünner zu sein und weniger Kalorien zu sich zu nehmen, zu einem zentralen Thema wird, dann ist das ein ernstes Problem“, erklärt Dipl. Psych. Monika Trentowska.
Eine Körperbildstörung, die von abwertenden Gedanken und unangenehmen Gefühlen beim Anblick des eigenen Körpers begleitet wird, begünstigt Essprobleme und hält sie aufrecht.
Ein Körperbildtraining kann betroffenen Frauen helfen, sich wieder ausgewogen anzusehen und ihren Körper zu akzeptieren. Die Wirkung des Trainings untersucht Trentowska in zwei Studien am Psychologischen Institut.
Teufelskreis Essstörungen
Trentowska beschreibt Essstörungen als Teufelskreis, an dessen Anfang häufig ein Schlankheitsideal steht, das vom persönlichen Umfeld und den Medien beeinflusst wird. „Oft sind Diäten der Einstieg. Diese sind immer mit Verboten verbunden und führen in Kopf und Körper zu einem Mangelzustand, der das Verlangen nach Nahrung steigert“, so Trentowska.
Die Folge sind oft Essanfälle, die wiederum von Angst vor Gewichtszunahmen begleitet werden und in weiteren Diäten, exzessivem Sporttreiben oder Erbrechen enden. Körperunzufriedenheit begünstigt dieses problematische Essverhalten.
„Die betroffenen Frauen schauen sich sehr selektiv an, sehen nur ihre Problemzonen oder können sich gar nicht anschauen und das negative Bild in ihrem Kopf wird immer stärker“, sagt Trentowska. Ein Anzeichen für eine Körperbildstörung sei die Ablehnung und Verachtung des eigenen Körpers, die sich in Gedanken, Gefühlen und im Verhalten äußert.
Aufbau von Körperakzeptanz
Bei der Bewältigung der Körperbildprobleme hilft ein Körperbildtraining, das Trentowska in zwei Studien an Frauen mit unterschiedlich ausgeprägter Symptomatik untersucht. Die Methode ist für beide Studien die „Figurexposition“, bei der die Teilnehmerin vor einem Ganzkörperspiegel steht, in dem sie sich von allen Seiten anschauen kann. Dann soll sie sich möglichst genau von Kopf bis Fuß beschreiben.
Fragen wie “welche Form hat Ihre Stirn?“ oder „welche Farbe haben Ihre Augen?“ sollen der Teilnehmerin helfen, sich zunächst möglichst neutral zu beschreiben. Auf diese Weise sollen betroffene Frauen lernen, sich wieder realistischer und ausgewogener zu betrachten, mit unangenehmen Gedanken und Gefühlen ihrem Körper gegenüber umzugehen und ihn wieder zu akzeptieren.
Je nach Studie sind vier oder sechs Trainingsstunden zu jeweils 90 Minuten notwendig. Trentowska empfiehlt zwei Sitzungen pro Woche, da sich „die Effekte mit wiederholten Erfolgen einstellen.“ Die bisher sehr positiven Rückmeldungen bestätigen Trentowska:„Es zeigt sich eine deutliche Veränderung der Körperbildwahrnehmung vor und nach dem Training.“
Wissenschaftlich interessiert die Psychologin, wie die Wirkmechanismen der „Figurexposition“ aussehen.
Teilnehmerinnen gesucht
Beide Studien laufen noch bis voraussichtlich Mitte 2010. Teilnehmen können Frauen zwischen 18 und 45 Jahren sowohl mit Essproblemen und Körperunzufriedenheit als auch Kontrollfrauen ohne Essprobleme, die mit ihrem Aussehen überwiegend zufrieden sind.
Dass für die Studie nur Frauen gesucht werden, erklärt Trentowska damit, dass „das Thema immer noch sehr geprägt von Frauen ist, obwohl auch Männer betroffen sind.“ Die Teilnahme ist kostenlos. Vor dem eigentlichen Körperbildtraining führt Trentowska mit jeder Teilnehmerin ein persönliches Gespräch um individuell den möglichen Nutzen des Trainings für die Frau zu besprechen.
Zum Schutz der betroffenen Frauen ist Trentowska „Diskretion absolut wichtig.“
Infos für interessierte Teilnehmerinnen
Weitere Informationen zu den Studien findet Ihr unter www.uni-freiburg.de/go/essen und die Info-Broschüre für Teilnehmerinnen als pdf
