Was will ich studieren?
Anglistik, Psychologie oder Theologie? Die Uni Freiburg zählt mit ihren "Online Self Assessments", den Selbsttests zur Studienwahl, zu den Pionieren in diesem Bereich. Die Angebote sollen Studieninteressierten die Entscheidung für oder gegen ein Fach in Freiburg erleichtern. Doch wie aufschlussreich sind diese Tests?
Maximilian Vogelmann, Soziologie, BWL und Sprachwissenschaft des Deutschen
„Ein OSA soll vor allem eins: Studieninteressierten dabei helfen, die „Passung“ zwischen ihren Interessen und Vorstellungen und den realen Anforderungen eines Fachs herauszufinden“, sagt Dr. Dennis Mocigemba von der Stabsstelle Marketing und Wissensmanagement, die für die Entwicklung der „Online Self Assessments“, kurz OSAs, zuständig ist.
“Durch die Modularisierung der Studiengänge und die politisch geforderte Profilbildung der Fächer wird es für Studieninteressierte immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Wer mit falschen Vorstellungen in ein Studium startet, wird in den ersten Semestern leicht enttäuscht und demotiviert, was leider wiederum häufig zu kostspieligen Studienabbrüchen führt.“ Hier setzen die Online Self Assessments an.
Außer den OSAs für Theologie und Psychologie, die es seit Herbst 2009 gibt, existiert die „Online-Selbsteinschätzung“ für sechs weitere Fächer, darunter Anglistik und Informatik sowie zwei internationale Masterstudiengänge der Forstwissenschaften.
OSAs für Fächer wie Geowissenschaften, Physik, Chemie und Pharmazie werden derzeit entwickelt.
Der Selbstversuch
Vor dem Gespräch mit Dennis Mocigemba mache ich im Selbstversuch das OSA für Psychologie, was mir als Soziologe noch am nächsten liegt. Nach einer virtuellen Tour durch das psychologische Institut bekomme ich kurze Videos von Freiburger Studierenden zu sehen, die von ihren Erfahrungen mit dem Studium berichten und typische Fragen von Studienanfängern beantworten.
Zwischendrin beantworte ich Fragen zu meinen Erwartungen an das Fach und meinen beruflichen und akademischen Interessen.
Zum Schluss gibt es dann Beispielaufgaben verschiedenen Arbeitsbereichen der Freiburger Psychologie, wie zum Beispiel Mitschnitte aus Vorlesungen, zu denen ich hinterher inhaltliche Fragen beantworten soll. Nach einer guten Stunde bin ich fertig und erhalte das Ergebnis: 79 Prozent, man freue sich auf meine Bewerbung.
Verzerrt eine solche Diskrepanz von theoretischem Wissen und praktischem Handeln nicht das OSA-Ergebnis? Dazu Mocigemba: „Das OSA-Ergebnis ist nicht so sehr der Punktwert, den man am Ende bekommt. Den muss man schließlich auch nirgendwo nachweisen. Das Ergebnis sollte eine vertiefte Reflexionüber die eigenen Interessen und Neigungen sowie die Anforderungen des Fachs sein.
Wir vermessen Studieninteressierte nicht, wir geben ihnen Einblicke in Fach und Studienalltag. Wenn sich ein Teilnehmer während oder nach dem Test beispielsweise Gedanken zur eigenen Lernstrategie macht, haben wir unser Ziel schon erreicht, egal, ob er letztlich die vernünftige oder ehrliche Antwort anklickt“.
Fachleute und Studierende erarbeiten den Test
Damit der Online-Test auch hält, was er verspricht, arbeiten die Entwickler stets intensiv mit den „Experten“, also mit Lehrenden und Studierenden des jeweiligen Faches, zusammen. In Workshops sammeln sie gezielt solche Vorstellungen vom Fach, die in den ersten Semestern typischerweise enttäuscht werden oder die erwähnten kritischen Studiensituationen.
In Online-Befragungen werden diese selektiert und das Expertenprofil des Fachs erstellt. Auf die Einbindung möglichst vieler Studierender wird zu allen Zeitpunkten im Produktionsprozess besonderer Wert gelegt.
Die Produktion eines Online Self Assessments dauert üblicherweise zwischen fünf und zehn Monaten. Die nächste Produktionswelle startet im Frühjahr 2010.
Wichtig ist es dem Team der Stabstelle dabei besonders, dass nicht nur die Sonnenseite der Studienbedingungen eines Faches gezeigt werden. Bloße Lobhudelei ist unerwünscht: „Wenn wir hier was beschönigen, merkt unsere Zielgruppe das sofort“, sagt Mocigemba.
„Authentische Selbstdarstellung und realistische Informationen werden von Studieninteressierten explizit eingefordert und sind das beste Marketing.“ Anscheinend kommt das gut an. Die Ergebnisse der Evaluationsfragen am Ende der OSAs und die Kommentare von Nutzern sprechen eine eindeutige Sprache.
Zu den OSAs der Uni Freiburg
Wer sich für das "Online Self Assessment" interessiert, findet die Tests unter www.studium.uni-freiburg.de/studieninteressierte/fachspezifische_studienorientierung
