Weihnachten International
Einen besonderen Vermittlungs-Service für internationale Studierende bietet das Studentenwerk an: Familien aus Freiburg laden dazu ein, die deutsche Weihnachtskultur aus erster Hand zu erfahren. Beim gemeinsamen Schlendern über den Weihnachtsmarkt, dem Besuch eines Gottesdienstes oder beim Feiern an Heiligabend.
Maximilian Vogelmann, Soziologie, BWL und Sprachwissenschaft des Deutschen
Viele internationale Studierende können es zuerst oft gar nicht fassen: Auf einen Schlag fahren fast alle ihre Kommilitonen nach Hause, Geschäfte und Büros schließen und nahezu alleine finden sie sich in ihren plötzlich verwaisten Wohnheimen und WGs wieder. Weihnachtszeit ist halt Familienzeit.
Aber was machen all die chinesischen, indischen, japanischen, syrischen oder türkischen Studierenden, die Weihnachten oft nur vom Hörensagen kennen?
Weihnachten bei Freiburger Familien
Vor acht Jahren hatte Karl-Heinz Hermle, Sozialberater des Studentenwerks, die Idee, deutsche Familien und internationale Studierende zusammenzubringen. Per Rundmail und Pressemitteilung suchte er damals nach Familien, die willens waren, zur Weihnachtszeit wildfremde Menschen zu sich nach Hause einzuladen - und zwar ohne dafür Geld zu erhalten.
Fast 15 Familien meldeten sich und bekamen einen internationalen Gast zu Weihnachten. Die Erfahrungen der Gastgeber waren dabei so gut, dass viele von ihnen mittlerweile "Stammgäste" bei Hermles "Weihnachsvermittlung" sind.
Seit Beginn des Programms melden sich jedes Jahr bis zu 30 Familien und circa 40 Studierende für "Weihnachten International". Häufig laden die Familien mehrere Neugierige zusammen ein - so kommen alle Studierenden unter. Damit Gast und Gastgeber auch gut zueinander passen, müssen beide zuerst einen Fragebogen ausfüllen, auf dessen Grundlage Hermle dann vermittelt.
Volles Programm an Heiligabend
In den Fragebögen geben die Studierenden Herkunftsland, Studienfach und Hobbys an; die Familien neben ihren Sprachkenntnisse auch, ob sie Kinder haben, aus welchem Land ihr Gast am liebsten kommen sollte - und was sie gerne mit ihm machen würden.
Oft ist das ein festliches Abendessen am ersten Weihnachtsfeiertag, oft aber auch das "volle Programm" am Heiligen Abend inklusive Gottesdienst und Bescherung - was natürlich besonders Studierende aus nicht-christlichen Ländern interessiert. Aber auch die Erfahrung eines typisch badischen Weihnachtsessens sollte man nicht unterschätzen: "Alles war ausgezeichnet. Besonders hat mir das 'Schäufele' geschmeckt, was meine Einstellung zum deutschen Essen zum Positiven verändert hat", schrieb beispielsweise ein chinesischer Student in einer E-Mail an Hermle.
Foto: Maximilian Vogelmann
Beide Seiten profitieren
"Weihnachten International" kommt sowohl bei den Familien als auch bei den Studierenden gut an. Häufig bleiben sie auch nach der Weihnachtszeit in Kontakt. Beide Seiten profitieren ja auch davon: Die Gastgeber haben einen interessanten und neugierigen Gast, der den Kindern oder auch den Eltern vielleicht etwas in Sachen Fremdsprache beibringen kann.
Und die internationalen Gäste bekommen nicht nur einen einmaligen Einblick in eine kulturelle Praxis, der ihnen sonst verwehrt bliebe, sondern auch Kontakt zu Deutschen - den einer Studie des Deutschen Studentenwerks zufolge über 70 Prozent von ihnen im Studium vermissen.
Hermle freut sich über den Erfolg des Programms: "Wir waren das erste Studentenwerk in Deutschland, das so etwas angeboten hat." An der Bürowand hinter ihm hängen einige bunte Tücher, Fächer und Bilder, meist mit asiatischen Schriftzeichen versehen. Es sind Geschenke von internationalen Studierenden, die dankbar für ein schönes Weihnachtsfest waren.
Info und Kontakt
Wer Interesse hat, einen internationalen Studenten oder eine Studentin an Weihnachten einzuladen, oder als Studierender gerne Weihnachten mit einer deutschen Familie verbringen möchte, kann sich an Karl-Heinz Hermle beim Freiburger Studentenwerk wenden.
Karl-Heinz Hermle
Studentenwerk Freiburg
Schreiberstraße 12-16, Zi. 002
hermle@studentenwerk.uni-freiburg.de
Telefon: 07 61 - 21 01 - 2 33
Fax: 07 61 - 21 01 - 52 33
Sprechzeiten:
Mo - Fr 9.00 - 12.00 Uhr
Do 13.30 - 16.00 Uhr
und nach telefonischer Anmeldung
Die ausgefüllten Fragebögen sollten bis zum 18. Dezember 2009 eingegangen sein.
