Die Podcast-Uni
Ein interessanter Vortrag unterhält und animiert zum Weiterdenken. Was im Hörsaal funktioniert, könnte auch per Video oder Audio ankommen, dachte sich die Uni Freiburg und zeigt nun Vorlesungen online. Bei Apple iTunes U könnt Ihr vielleicht auch Eure nachhören.
Von Doreen Fiedler, Linguistik und Geschichte
Wirklich neu ist die Idee für Freiburg nicht. Denn bereits seit vier Jahren bietet die “Podcast-Universität” auf ihren Internetseiten Bildung zum Runterladen an. Doch Uniradio und uni.tv existierten für sich, Mitschnitte von Festveranstaltungen für Alumni gab es an anderer Stelle und die Informatiker stellten ihre Einführungsveranstaltung bei sich auf die Homepage.
Nun laufen die multimedialen Bildungsinhalte über ein zentrales Portal, die Podcast-Plattform iTunes U von Apple. Mehr als 500 kostenfreie Video- und Audiodateien stehen darauf, und täglich werden es mehr: Orchester-Konzerte neben Nobelpreisträger-Vorträgen, Samstags-Uni neben eLectures, alles im Standardformat als .mp3 und .mp4 herunterlad- und abspielbar von jedem beliebigen Endgerät – und nicht nur mit dem ipod von Apple.
Gebündelte Imagepflege
Doch warum überhaupt die Kooperation mit Apple, warum auf der Unterseite des iTunes-Music-Store? Dr. Reiner Fuest der Stabsstelle Marketing und Wissensmanagement der Universität erklärt, dass es neben dem Zugang über die Apple-Software iTunes auch eine parallel laufende, eigenständige, “normale Homepage” gibt. Dafür benötigt man die Software des Unternehmens nicht. Außerdem bleiben die Daten selbst natürlich in Freiburg, “das sind unsere Inhalte, auch rechtlich”, betont Fuest.
Eines Tages sei Apple auf die Exzellenz-Universität zugekommen und habe angefragt. Das Angebot war gut: Zwar ist kein Geld geflossen, aber die vier ausgesuchten deutschen Unis haben die bereits vorhandenen Strukturen gerne übernommen, mussten sie so doch nicht selbst erst neue “workflows” entwickeln.
Auch sei es "gut für’s Image", zusammen mit vielen nordamerikanischen Unis "im Club dabeizusein" – und das über den Aufmerksamkeitserzeuger iTunes. "Aber die Grundidee des Podcastings ist von Apple unabhängig. iTunes U ist für uns sehr interessant, aber wir sind nicht daran gebunden", sagt Fuest.
So kann sich die Uni nicht nur gut nach außen präsentieren, sondern erreicht auch eine breite, auf iTunes surfende Zielgruppe. Wenn sich jemand überlegt, in Freiburg zu studieren, kann er sich mit Hilfe der O-Töne einen viel besseren Eindruck von der Situation vor Ort verschaffen.
Auch die Alumni und die sonstige interessierte Öffentlichkeit hat im internationalen Portal Zugriff, ohne Studiengebühren dafür zahlen zu müssen.
Hörsaal-Erweiterung kein Hörsaal-Ersatz
Für ein komplettes Studium hingegen taugt iTunes U noch nicht: Vorlesungsreihen gibt es kaum, nur für die Informatik und Mikrosystemtechnik stehen sechs Standardvorlesungen komplett online. So bleibt der Vorlesungssaal als sozialer Treffpunkt erhalten, außerdem ist ein Dozent aus Fleisch und Blut allemal spannender als ein Bildschirm.
Eine Entvölkerung des Campus wird es also nicht geben, aber gerade für ausländische Studierende mit Sprachproblemen kann es wichtig sein, zentrale Aspekte noch einmal hören zu können. Auch in der Prüfungsvorbereitung wird es möglich, sich alles am Stück anzueignen. Und wer mit einer Grippe krank zu Hause im Bett liegt, kann wenige Minuten nach Ende der Veranstaltung den Stoff pauken.
Wissen zum Runterladen auf www.itunes.uni-freiburg.de.
Wissen auf Bestellung
Der Schwerpunkt liegt jedoch eher auf Ringvorlesungen und Festvorträgen, etwa aus der Literatur- und Sprachwissenschaft oder der Philosophie. So führt “Theorie und Wahrheit” des Philosophie-Professors Hoenen gerade die Downloadliste an, dauernd nachgefragt werden auch die historischen Reden wie jene von Martin Heidegger aus dem Jahr 1975. Immer mehr Benutzer suchen nicht wahllos, sondern greifen zum Abonnement: Per RSS-Feed kommen dann die Titel automatisch auf den Rechner.
Gerade entwickelt die Stabsstelle Marketing und Wissensmanagement mit dem Rechenzentrum eine Technologie, damit das Videomaterial in Zukunft “fast vollautomatisch, quasi industrialisiert” hochgeladen werden kann, wie Fuest sagt. “Ein immer beigefügtes Intro und Outro sollen klarmachen, dass es sich um Videomaterial aus Freiburg handelt.”
Podcast-Newsletter geplant
Bald gibt es vielleicht auch einen Podcast-Newsletter, ähnlich dem wöchentlichen Video der Bundeskanzlerin – nur “ein bisschen netter”. Außerdem wünscht sich Reiner Fuest, dass sich die Studierenden beteiligen, indem sie Ideen und Wünsche im Blog der Stabstelle Marketing und Wissensmanagement äußern. Am Besten wäre es natürlich, die Studierenden ergriffen Initiative und dann auch die Kamera, für eigene Beiträge.
WO geht's zu iTunes U?
Hier geht's lang: www.podcasts.uni-freiburg.de
Den Blog der Stabstelle Marketing und Wissensmanagement findet Ihr hier
