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Grenzen überwinden

Um jungen Leuten aus Polen einen Studienaufenthalt in Deutschland zu ermöglichen, entstand vor 25 Jahren der Verein GFPS. Aus der Idee entwickelte sich ein internationales Netzwerk, das im Mai in Freiburg sein Jubiläum feiert.


Von Holger Lühmann, Geschichte, Medienwissenschaften, Germanistik


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Kultur geht durch den Magen. GFPS-Mitglieder kochen mit Osteuropa-Fans

Foto: Martin Faber


Als der Freiburger Philosophie-Student Georg Ziegler 1981 im polnischen Lublin studierte, merkte er schnell, dass der deutsch-polnische Austausch oft nur einseitig verläuft. Einer Germanistikstudentin aus Lublin verwehrten die polnischen Behörden eine Studiengenehmigung in der BRD.

Ziegler vermittelte sie zunächst an die Deutsche Botschaft und danach an die Uni Freiburg, mit deren Hilfe sich die polnischen Behörden überzeugen ließen.

Beflügelt von diesem Erfolg gründete Ziegler 1984 den Verein „Gemeinschaft zur Förderung von Studienaufenthalten Polnischer Studenten in der BRD“, kurz GFPS.

Mit Spenden von Privatpersonen und Zuschüssen der Robert-Bosch-Stiftung ebnete er den Weg für ein dauerhaftes Stipendienprogramm. Bis 1989 konnten so 162 polnische Studierende in der Bundesrepublik studieren.


Die Teilung Europas überwinden


Nach dem Fall der Mauer hat sich die Idee, die Teilung Europas zu überwinden, nicht erledigt, im Gegenteil: Der Verein, dem sich zunehmend auch Studierende anderer Hochschulen in Deutschland anschlossen, konnte die Kontakte nach Osteuropa nun noch weiter intensivieren.

Mittlerweile haben sich auch Tschechien und Belarus an das ursprünglich deutsch-polnische Netzwerk angeschlossen. Die Folge: der Verein hat sich bei weiterhin gleicher Abkürzung in „Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa“ umbenannt.


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Beim GFPS wird nicht nur gekocht und gegessen. Auch Kultur, Sprache und im Mai das Jubiläum stehen auf dem Programm des Vereins.

Foto: Laura Ruby

Sprache, Fußball und Kultur


GFPS trägt sich durch die ehrenamtliche Tätigkeit von Studierenden in bundesweit mehr als zwanzig Stadtgruppen. Sie nehmen die Stipendiaten aus den Partnerländern in Empfang und helfen beim Einstieg ins Campusleben: „Letztes Jahr hatten wir Maja aus Krakau bei uns“, erklärt Tim Zosel von der Stadtgruppe Freiburg. „Sie hat sich in Freiburg auf ihre Abschlussarbeit vorbereitet und ging am Ende sogar mit einem Promotionsangebot nach Hause“.


Während ihrer Zeit in Freiburg hat sie viel mit ihren deutschen Freunden aus der GFPS-Stadtgruppe unternommen. „Neben den finanziellen Zuschüssen ist der Kontakt zu uns das Wichtigste“, erklärt Tim Zosel. „Dadurch entstehen auch interessante Projekte wie unser Kochabend, bei dem wir mit vielen Interessierten typisch osteuropäische Speisen zubereitet haben.“


Polnisch im Crashkurs


Weiterer Höhepunkt im letzten Jahr war ein Polnisch-Crashkurs zu Beginn der Fußballeuropameisterschaft. Anlässlich einer bevorstehenden Partie zwischen Polen und Deutschland hat die Stadtgruppe Sport- und Osteuropafans eingeladen, die wichtigsten Fußballbegriffe auf Polnisch zu erlernen.

GFPS-Mitglied Agata Chojnacka ist noch immer begeistert über das Interesse an ihrer Muttersprache: „Es kamen sogar Leute, die bis dahin wirklich gar nichts mit Polen zu tun hatten und die so auf uns aufmerksam geworden sind“.

Das sei das Ziel von GFPS, meint Zosel. Denn viele wüssten nicht, dass es auch noch Länder östlich von Görlitz gibt.


Jubiläums-Städtetage in Freiburg, Jubiläumsfeier in Görlitz



Den Verein und die Menschen aus Osteuropa besser kennen zu lernen, soll auch das Motto der Städtetage vom 30. April bis 3. Mai 2009 sein, die in diesem Jahr dort stattfinden, wo vor 25 Jahren alles begann.

Den Kern bildet eine Ausstellung über die Geschichte der GFPS, die von Vorträgen und Workshops umrahmt wird.

Zu einer Podiumsdiskussion über Geschichte und Zukunft des Studierendenaustausches mit Osteuropa sind auch Staatsminister Gernot Erler und OB Dieter Salomon eingeladen. Interessierte können sich darüber hinaus über die Stipendienmöglichkeiten der GFPS in Osteuropa informieren.

Ergänzt wird das Programm durch unterhaltsame Veranstaltungen wie Wanderungen im Schwarzwald und die Arbeit an einem gemeinsamen Kochbuch. In Gruppenarbeit sollen mittel- und osteuropäische Rezepte zusammengetragen und anschließend veröffentlicht werden.

Interessierte können sich bis Dienstag, 21.04.2009, für eine Teilnahme an den Städtetagen anmelden (siehe unten).

„Im Herbst feiern wir in der deutsch-polnischen Grenzstadt Görlitz beziehungsweise in der Nachbarstadt Zgorzelec noch einmal ein gemeinsames Fest.“



Infos zu den Städtetagen, zum Jubiläum und der Arbeit des Vereins


Unter www.gfps.org können sich Interessenten für die Städtetage anmelden und sich über das Jubiläum
sowie die Arbeit des Vereins informieren.



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