Uni-Logo

Dein Typ ist gefragt

"Du bist 1:20.000" – unter diesem Motto organisierte "mio", die Menschenrechtsinitiative der Offenen Fachschaft Medizin, Anfang Mai 2009 eine Knochenmarkspende-Typisierungsaktion. Julian Geisshardt, Koordinator der Initiative, erklärt, warum eine Typisierungsaktion wichtig ist und wie es zu einer Knochenmarkspende kommen kann.


Mit Julian Geisshardt hat Wibke Hartleb gesprochen.


mio-cms-1.jpg
Bei der Aktion unter dem Motto "Du bist 1:20.000" wurde den Spenderinnen und Spendern Blut abgenommen und typisiert.

Foto: Jonas Hafner

Wie seid Ihr auf die Idee für die Typisierungsaktion gekommen?

Dieses Projekt gab es schon an einigen norddeutschen Unis unter dem Titel „Uni hilft“. Wir wollten diese Aktion auch nach Süddeutschland an die Uni Freiburg holen. Durch unser Studium haben wir einen sehr direkten Zugang zu diesem Thema und eine Typisierungsaktion war daher eine relativ nahe liegende Möglichkeit, vielen Menschen helfen zu können.

Es gab also keinen konkreten Fall, weswegen Ihr die Aktion gestartet habt.

Den gab es ganz bewusst nicht. Das System der Stammzelltypisierung und -transplantation beruht darauf, dass es aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender zu finden, sehr viele Menschen geben muss, die ihre Blutzellen untersuchen lassen und Patienten zur Verfügung stellen.

Unser Ziel war, für möglichst viele Menschen weltweit diesen „Spender-Topf“ zu vergrößern. Da die Datenbanken weltweit vernetzt sind, wollten wir von Freiburg aus ein Signal setzen für alle Bedürftigen und nicht für eine Person, die jetzt zufällig in Freiburg liegt.

Wie viele Leute haben an Eurer Typisierungsaktion teilgenommen?

Unser Ziel vor der Aktion war, etwa 1.000 Leute an den beiden Tagen zu typisieren. Diese Erwartung wurde erfreulicherweise deutlich übertroffen. Wir haben 2.639 Typisierungen durchgeführt. Die Daten werden zwar erst in den nächsten Wochen ausgewertet, aber die Wahrscheinlichkeit, dass jemandem durch diese Aktion geholfen werden kann, ist sehr hoch.

Wie geht es nach der Blutabnahme und der Typisierung für einen möglichen Spender weiter?

Es werden zunächst einige wenige Oberflächen-Eiweiße bestimmt, die für die Stammzelltransplantation wichtig sind, damit es nicht zur Abstoßung kommt. Das Ergebnis wird in einer Datenbank anonymisiert gespeichert. Sollte dann irgendwo auf der Welt jemand in die engere Wahl kommen, würde Blut, das von der ersten Blutabnahme bei der Typisierung übrig ist, nachuntersucht.

Passt dann wirklich alles, wird man informiert und zu einem Aufklärungsgespräch in die Uniklinik eingeladen. Natürlich wird dabei auch der Gesundheitszustand des möglichen Spenders genau überprüft. Stimmen die Gewebemerkmale, ist der Spender gesund und einverstanden, kann es zu einer Spende kommen. Ganz wichtig zu wissen ist, dass alles anonym abläuft, auch die Ärzte des Patienten und des möglichen Spenders dürfen zunächst keinen Kontakt untereinander haben.


mio-cms-2.jpg
Julian Geisshardt gehört zu „mio“, der Menschenrechtsinitiative der Offenen Fachschaft Medizin. Er hat die Typisierungsaktion koordiniert.

Foto: Wibke Hartleb

Wie läuft eine Knochenmarktransplantation ab?

Eine Knochenmarkspende erfordert im Vergleich zum Ergebnis, dem geretteten Leben des Empfängers, einen sehr geringen Aufwand. Heutzutage wird in über 90 Prozent der Fälle die Stammzellapherese durchgeführt. Das heisst, die Stammzellen werden aus dem peripheren Blut entnommen, ähnlich wie bei einer Thrombozyten-Spende. Das dauert etwa vier bis fünf Stunden und die Zellen werden aus dem Blut herausgewaschen.

Bei dieser peripheren Zellentnahme muss man vorher sechs Tage ein Hormon spritzen. Dieses Hormon regt die Zellen im Knochen an, sich zu teilen. In Einzelfällen kann es während dieser Zeit zu Kopfschmerzen oder grippeartigen Symptomen kommen.

Langzeitfolgen sind aber nicht zu erwarten. Es gibt auch immer noch die Möglichkeit der Operation. Auf diese Methode kann aber wegen des medizinischen Fortschritts weitgehend verzichtet werden.

Auf welche Risiken muss sich ein möglicher Spender bei einer Operation einstellen?

Aus medizinischer Sicht ist die klassische Knochenmarkspende ein kleiner Eingriff. Aus dem Beckenknochen werden unter Vollnarkose die Zellen mechanisch herausgelöst. Der Eingriff dauert ungefähr eine halbe Stunde.

Für den Spender bedeutet dies eine Nacht im Krankenhaus sowie mitunter lokale Schmerzen im Bereich der Entnahme. Aber ansonsten ist auch in diesem Fall nicht mit Komplikationen zu rechnen.

An wen können sich Studierende wenden, die sich jetzt noch typisieren lassen möchten?

Man kann sich an die Uniklinik wenden oder an den Hausarzt. Die Typisierung kostet dann allerdings 50 Euro.

Für die Typisierungsaktion werden wir diese über Spendenaktionen nachträglich sammeln. Wir brauchen dafür insgesamt ungefähr 130.000 Euro. Einen Teil des Geldes haben wir eingeholt, aber in den nächsten Wochen und Monate müssen wir das übrige Geld noch einwerben.

Welche Aktionen plant Ihr?

Wir haben schon vorher gesagt, dass wir erst mal schauen möchten, wie viele Leute überhaupt kommen, weil davon abhängt, welche Aktionen geplant werden müssen und in welchem Umfang.

Was wir genau machen, müssen wir noch überlegen. Denkbar wären Sportveranstaltungen oder Sponsoring von größeren Firmen, die gesehen haben, wie viele Freiburger sich für dieses Thema interessiert haben und zur Typisierung gekommen sind. Denkbar wäre auch ein Sponsoring bei einer Wiederholung dieser Aktion, die wir nächstes oder übernächstes Jahr durchführen möchten.

Wir möchten dies wohlüberlegt und in Absprache mit den Verantwortlichen der Uniklinik planen. Aber ich bin zuversichtlich, dass uns etwas Gutes einfällt. Wichtig war uns die Zusage, dass die Proben typisiert werden und wir dann im Interesse aller Beteiligten schauen, wie wir das Geld wieder herein bekommen. 


Info


Mehr Informationen zu mio und das Spendenkonto findet Ihr unter www.km-spende.de


zurück Zurück zum Newsletter

Personal tools