Roboter spielen Hockey
Technik gegen Mensch gleich 1:0? So beschreibt der Freiburger Professor Dr. Martin Riedmiller die Vision der Hockey-Roboter-Weltmeisterschaft „RoboCup“. Für das Ziel, im Jahr 2050 Roboter gegen Menschen spielen zu lassen und zu gewinnen, muss noch viel geforscht werden.
Karolin Schmidt, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft
Freiburg ist Weltmeister - zusammen mit Osnabrück: Die Hockeyroboter des gemeinsamen Teams „Brainstormers Icebots“ haben sich beim diesjährigen „RoboCup“ 2009 in Graz den Weltmeisterschaftstitel geholt. Leiter des Teams, das aus Studierenden und Mitarbeitern der Universitäten Freiburg und Osnabrück besteht, ist der Freiburger Professor Dr. Martin Riedmiller.
Karolin Schmidt hat den Informatiker gefragt, was der „RoboCup“ eigentlich ist und was das mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat.
Herzlichen Glückwunsch zum Weltmeistertitel. Was muss man sich unter dem Wettbewerb „RoboCup“ vorstellen?
Zuerst einmal: Es gibt unterschiedliche Ligen im Cup. Einige finden nur am Computer statt und andere mit realen Robotern. In unserer Mannschaft treten drei Roboter auf einem cirka fünf Mal fünf Meter großen Spielfeld gegeneinander an. Um das Spielfeld sitzen die Betreuer, die – wenn der Schiedsrichter pfeift - per WLAN das Startkommando geben. Ab diesem Zeitpunkt sind die Roboter dann bis zum nächsten Pfiff auf sich gestellt.
Die Spielregeln kommen aus dem „normalen“ Hockey. Wie bei einem gewöhnlichen Turnier gibt es viele Zuschauer und eine Siegerehrung mit Pokalen.
Wie sehen die Roboter aus?
Sie sind flach und rund und haben einen Durchmesser von 35 cm, mit Kameraaufsatz ist der Roboter einen halben Meter hoch. An einer Stelle ist eine ebenfalls runde Ausbuchtung aus Blech, in die der Puck passt. Wenn der Roboter dann ein Tor machen will, setzt er ein wenig zurück, dreht sich und schlägt den Puck in Richtung Tor.
Ihr Hockey-Team heißt „Brainstormers Icebots“. Wie kam es zu diesem Namen?
In „Brainstorm“ verbirgt sich das Wort „Gehirn“, da wir ganz viel mit neuronalen Netzen gemacht haben; das sind künstliche Modelle des Gehirns. „Icebots“ ist einfach eine Mischung aus den Wörtern „Icehockey“ und „Roboter“.
Prof. Riedmiller mit Fußball- und Hockeyroboter
Also steht beim RoboCup eigentlich die Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz im Vordergrund?
Es geht um die Balance zwischen Sportereignis und Forschung: Unser Ziel ist es, die Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz voranzutreiben. Durch den Wettbewerb an dem sich viele Institute weltweit beteiligen, wird auch die Forschung stark gepusht. Man denkt sich: Okay, wenn die anderen das hinbekommen, schaffen wir das auch.
Also ein Symposium auf spielerische Art?
Genau, man tauscht sich aus. Übrigens haben wir zum Beispiel auch schon einige Male, natürlich erst nach dem Turnier, unsere Software veröffentlicht. So sparen sich andere Teams die Mühe, die gleiche Software nochmals zu entwickeln.
Sie programmieren die Roboter so, dass sie Reize aufnehmen und sich autonom fortbewegen. Wie funktioniert so etwas?
Die Roboter sind mit Sensoren ausgestattet, oftmals Kameras. Die visuellen Eindrücke werden über spezielle Chips erfasst, dann an einen Laptop auf dem Roboter weitergeleitet und dort ausgewertet. Auf der Basis dieser Wahrnehmung werden dann die entsprechenden Entscheidungen autonom getroffen und über die Motoren in Fahrbewegungen umgesetzt.
Spinnt man den Gedanken weiter, könnte ein Roboter die Arbeit von Menschen übernehmen, oder?
Richtig, es gibt schon Staubsaugerroboter, die Hindernisse umfahren, oder Rescue-Roboter, die Menschen bergen. Wir beschäftigen uns ja mit lernfähigen Systemen. Da wäre es natürlich toll, wenn die Roboter auch die Spülmaschine einräumen könnten, aber dafür müssen sie noch viel robuster werden und mehr von ihrer Umgebung verstehen – da muss auf methodischer Seite noch sehr viel entwickelt werden.
Infos zu den Hockeyrobotern und dem RoboCup
Zur Pressemitteilung Hockeyroboter sind Weltmeister
Weitere Informationen zum RoboCup 2009 in Graz: www.robocup2009.org
Wer sich für den RoboCup interessiert, kann sich an stefan.welker@gmail.com wenden.
