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"Gleichstellung ist auch Exzellenz-Kriterium"

Berufungsverfahren, sexuelle Belästigung und Mobbing sind nur einige Aufgaben, um die sich die neue Gleichstellungsbeauftragte der Uni, PD Dr. Rotraud von Kulessa, kümmert. Wir haben sie gefragt, warum man heute noch eine Gleichstellungsbeauftragte braucht und welche Aufgaben ihr besonders wichtig sind.

 

Von Wibke Hartleb, Chemie

 

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PD Dr. Rotraud von Kulessa ist die neue Gleichstellungsbeauftragte der Uni.

 

Wie wird man Gleichstellungsbeauftragte der Uni?

Man wird angesprochen, dann bewirbt man sich und wird vom Senat gewählt. In meinem Fall dauerte es bis zur Wahl ungefähr sechs Wochen.

 

Für wen sind Sie zuständig und was gehört zu Ihren Aufgaben?

Ich bin zuständig für das gesamte wissenschaftliche Personal der Universität, dazu gehören auch die Studierenden. Für das technische und administrative Personal ist die Beauftragte für Chancengleichheit zuständig. Paragraph 4 des Landeshochschulgesetzes definiert die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten, die sich vor allem auf Gleichstellung in Bezug auf das Verhältnis der Geschlechter beziehen, besonders in Berufungsverfahren.

Außerdem bin ich Ansprechpartnerin in Fällen von sexueller Belästigung, Mobbing und so weiter. Die Uni fasst die Gleichstellung unter dem Aspekt der „Diversity“ in einem größeren Rahmen. Da geht es neben der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern um die Gleichstellung aller, unabhängig von der Herkunft, einer Behinderung oder Sonstigem.

In meiner Sprechstunde hatte ich bisher noch keine Problemfälle, aber aus meiner Tätigkeit als Fakultätsgleichstellungsbeauftragte weiß ich, dass es solche Problemfälle gibt. Um das Thema „Familie“ kümmere ich mich nur indirekt, was mir als Mutter von drei Kindern aber besonders am Herzen liegt. Dafür ist der Familienservice zuständig, der dem Gleichstellungsbüro angegliedert ist.

 

Warum braucht man heute noch eine Gleichstellungsbeauftragte?

Frauen haben zwar prozentual in der Schule die Nase vorn, auf den höheren Ebenen sind sie aber weniger vertreten, was auch die Zahlen der Uni zeigen. Wenn sie dann noch ein Kind bekommen, erfahren sie, dass es sich mit der Gleichstellung noch nicht erledigt hat.

Ich würde es als meine persönliche Aufgabe sehen, den Studentinnen dies frühzeitig bewusst zu machen. Es ist eben nicht so, dass die Gleichstellung schon realisiert wurde, und das Rektorat weiß das auch. Gleichstellung ist im Übrigen auch Exzellenz-Kriterium. Die DFG legt bei ihren Förderungen großen Wert auf Gleichstellung, das heißt ohne Gleichstellung gibt es auch keine Mittel. Das Bewusstsein ist auf höherer Ebene häufig höher als bei den Studierenden.

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Die Gleichstellungsbeauftrage der Uni ist auch Ansprechpartnerin bei Mobbing.

Foto: © Ewe Degiampietro - Fotolia

Im Fakultätsrat sprechen sich die Studierenden zum Teil gegen das „futura mentoring“, das Mentoringprogramm für Studentinnen und Absolventinnen, aus, weil sie der Meinung sind, dass man das in den Geisteswissenschaften nicht bräuchte.

 

Sie treten die Nachfolge von Prof. Dr. Ingeborg Villinger an, die in den Ruhestand eingetreten ist. Was haben Sie sich für Ihre vierjährige Amtszeit vorgenommen?

Der Gleichstellungsplan wurde unter meiner Vorgängerin bis 2014 entwickelt und die Stabsstelle „Gender und Diversity“ erarbeitet die Konzepte zur Umsetzung. Ich gehe in die Kommissionen und wache darüber, dass die Vorgaben realisiert werden. Darüber hinaus gibt es einige Projekte meiner Vorgängerin, die zur Disposition stehen. Ich bin der Meinung, dass sie weitergeführt gehören, weil sie gut laufen und auf Akzeptanz stoßen, zum Beispiel das Schnupperstudium.

Außerdem geht es um die Effizienz der Fakultätsgleichstellungsbeauftragten. Ich kann nicht in jedes Berufungsverfahren gehen. Daher möchte ich engen Kontakt zu den Fakultätsgleichstellungsbeauftragten halten.

Was mir auch am Herzen liegt, ist die Problematik der modularisierten Studiengänge, die nur sehr eingeschränkt Flexibilität erlauben. Dies ist tödlich für das effiziente und schnelle Studieren mit Kind.

Das gehört aber eigentlich nicht zu meinen offiziellen Aufgaben. Außerdem gab es ein Förderprogramm für Wissenschaftlerinnen mit Kind, das momentan auf Eis gelegt ist. Es wäre schön, wenn man einen Ersatz für dieses „Schlieben-Lange-Stipendium“ fände oder man es wieder anschieben könnte.

 

Sie sind habilitierte Romanistin und haben sich mit historischer Gender-Forschung beschäftigt. Inwieweit sehen Sie Zusammenhänge mit Ihrer Aufgabe als Gleichstellungsbeauftragte?

Meine Forschungsinteressen sind natürlich nur indirekt für die Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte relevant. Meine Forschungen zeigen allerdings, wie hartnäckig sich gesellschaftliche Rollenmuster bis heute halten.  

Wenn man sich die Thematik des „Streits um die Geschlechterordnung“ in literarischen Texten anschaut, erkennt man, dass sich über die Jahrhunderte erschreckend wenig getan hat.

 

Wie wichtig ist Ihnen das Thema „Gleichstellung in der Sprache“?

Für mich als Mutter von drei Kindern ist diese Frage nachgeordnet, das wird auch nicht über die Situation der Frauen bestimmen. Ich müsste zwar sagen, ich bestehe auf der Gleichstellung in der Sprache, aber ich halte dies nicht für die fundamentale Frage der Gleichstellung.

 

 

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